HALFBROGUE, FULLBROGUE UND LONGWING

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Eine weiterreichende Form der Verzierung sind von außen aufgenähte Schaftteile, die mit zierenden Lochmustern versehen sind. Die Lochmuster säumen entweder die Schaftteilkanten oder sind zusätzlich in ornamentaler Verzierung auf der Vorderkappe platziert. Solcherart geschmückte Schuhe werden Brogues genannt. Die sichtbaren Lederkanten der Schaftteilstücke eines Brogue sind häufig zusätzlich ausgezackt.

Historisch gehen die Verzierungslöcher der Brogues auf Hirten in Irland und/oder Schottland (hier widersprechen sich die Quellen) zurück. Bei Ihren Wanderungen durch die Moore versuchten sie durch diese in die Schuhe gestanzten kleinen Löcher das eingedrungene Wasser abfließen zu lassen. Die adligen Jäger sollen diese Technik übernommen und dadurch gesellschaftsfähig gemacht haben. Die frühen Brogues waren aus oberflächengekörntem Leder gemacht, mit kleinen ausgestanzten Löchern ornamentiert und hatten ausgezackte Nahtkanten. Die Löcher (Broguings) verloren ihren bestimmungsgemäßen Sinn und wurden fürderhin nicht mehr durch alle Lederschichten durchgehend, sondern nur noch als Verzierung durch die oberste Schicht gestanzt. „Brog“ ist Gälisch (Altirisch) und bedeutet Schuhfullbrogue.

Verfügt der Schuh über eine mit Lochmustern verzierte gerade Vorderkappe (Querkappe), wird er Semibrogue oder Halfbrogue genannt. Die Ränder der anderen Schaftteile eines Halfbrogues können, müssen aber nicht, mit kleinen Löchern verziert sein. Insgesamt sind die Lochmuster dezenter eingesetzt, als es beim Fullbrogue der Fall ist. Mit diesem Schuhtyp sind Sie am besten aufgehoben, wenn es nicht zu lässig und auch nicht zu förmlich zugeht. Unter einer Leinenhose sieht er zu elegant aus und zum schwarzen Anzug für gesellschaftliche Anlässe ist er schon etwas zu aufdringlich. Hier entscheidet zusätzlich die Lederfarbe, in welche Richtung der Halfbrogue tendiert. Auf jeden Fall passt dieser Schuh optimal zur klassischen Bürokluft.

Ist die Vorderkappe herzförmig ausgeschnitten und reicht in auslaufenden Flügeln (daher die Bezeichnung Flügelkappe) bis auf die Seitenteile des Schaftes, handelt es sich um einen Fullbrogue. Zentral auf der Flügelkappe ist immer eine kunstvolle Lochverzierung angebracht, die so genannte Rosette. Die Ränder der einzelnen Schaftteile sind beim Fullbrogue grundsätzlich mit grazilen Lochmustern (Lyralochung) versehen. Dadurch ist die Verzierung besonders augenfällig. Meist ist der Fullbrogue mit einer geschlossenen Schnürung versehen.

Kenner erfreuen sich an unterschiedlichen Lochmustern. Die meisten Marken haben jedoch die gleichen Muster und auch die gleichen Lochdurchmesser, doch wer sucht, der findet auch hier das Besondere. Speziell bei den höherpreisigen Modellen der Schuhoberklasse macht man sich auch über das Broguing Gedanken und variiert es entsprechend. Im normalen Preissegment sind Schuhe aus osteuropäischer Schuhmachertradition oft mit anderen Mustern, ja teils mit eckig geformten Löchern verziert. Auch die sonst spitzgeformt auf den Fußrücken auslaufende Flügelkappe ist im osteuropäischen Design anders designt und die Vorderkanten der aufgesetzten Hinterkappen formen nach vorne gerichtete Bogen.

Wenn Sie eigene Designideen haben, verwirklicht Ihnen das (nicht nur beim) Broguing das französische Familienunternehmen Aubercy mit den Schuhen der Reihe „petite mesure“ (Näheres im Abschnitt Sonderanfertigungen weiter hinten).

Eine Variante des Fullbrogue ist der Longwing. Hierbei handelt es sich sozusagen um die amerikanische Version des Fullbrogue. Dieses Schuhmodell unterscheidet sich vom normalen Fullbrogue durch die nach hinten bis zur Fersennaht reichenden Flügelkappen. Von der Seite betrachtet bekommt der Schuh dadurch ein auffallend anderes Erscheinungsbild als ein Schuh mit normalen Flügelkappen. Longwings haben einen betont sportlichen Freizeittouch und werden dementsprechend fast ausschließlich mit offener Blucher-Schnürung angeboten.

Ein bekannter Vertreter der Fullbrogues ist der Budapester (siehe dort). Beim Budapester, eigentlich zuvorderst eine Leistenform denn ein Schuhmodell, wird der Fullbrogue immer mit offener Derby-Schnürung und im Profil mit auffallend hoher Vorderkappe gefertigt.

Bei der stilistischen Einordnung der Fullbrogues ist zu differenzieren. Aufgrund der reichhaltigen Verzierung gelten solche Schuhe mit offener Schnürung als sportlich und in der Oxfordversion mit geschlossener Schnürung werden sie unter lässiger Eleganz verbucht. Beim Fullbrogue kommt es deshalb in erster Linie auf das Gesamterscheinungsbild an, um den Charakter des jeweiligen Modells zu beschreiben. So wirkt beispielsweise ein Fullbrogue aus Pferdeleder immer rustikal und aufdringlich im Vergleich zu einem gleich geschnittenen Schuh aus dünnem Ziegenleder, der sogar durchaus elegant und dezent anmuten kann. In sehr konservativen Berufen werden Fullbrogues selbst in schwarzer Ausführung selten getragen. Ansonsten sind sie aber, zumindest mit geschlossener Schnürung, vollkommen anzugtauglich und haben dabei den Vorteil, auch gut zur Freizeitkleidung zu passen. Beim Aufbau einer persönlichen Kollektion von Oberklasseschuhen ist der schwarze Fullbrogue deshalb als Einstiegsmodell bestens geeignet.

Da die genannten Verzierungen bei Loafern nicht verbreitet sind, beschränken sich diese vornehmlich auf Schnürschuhe. Zur Kennzeichnung eines Schuhs verwendet man demnach die genannten Charakteristika. Beispiel: ein Halfbrogue Oxford (verzierte gerade Vorderkappe und geschlossene Schnürung) oder ein Fullbrogue Derby (verzierte Flügelkappe und offene Schnürung).

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