SCHUHMODELLE

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„Wenn man nichts von Klassikern versteht, versteht man überhaupt nichts. Auf dem Fundament eines Klassikers kann man bauen.“ Jason Amesbury

Unsere Fußbekleidung hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Sie ist gekennzeichnet durch unterschiedliche Schuhmodelle und deren Konstruktionsweise. Die Geschichte des Schuhs beginnt irgendwo in der Urzeit. Felsmalereien in spanischen Höhlen aus der Zeit um 15.000 bis 12.000 v. Chr. zeigen Menschen mit Stiefeln aus Fell. Entsprechend der klimatischen Bedingungen haben sich unsere Vorfahren entweder Pflanzenblätter und –fasern unter die Fußsohlen gebunden oder aus Fellstücken einen Schutz für die Füße gebastelt. Aus der einen Variante entwickelte sich später die Sandale und aus der anderen vermutlich der Fußsack und daraus der Mokassin beziehungsweise – in keltischen Siedlungsgebieten und auf der Balkanhalbinsel – die Opanke. Beide gelten als die Urformen der Fußbekleidung. Als Urahn unserer heutigen Halbschuhe gilt der Calceus, ein bis zum Knöchel reichender altrömischer Lederschuh. Dieser umschloss den ganzen Fuß, konnte aber mit unterschiedlich breiten Riemen gefertigt auch eine Sandale sein. Dementsprechend definieren Fachleute den Halbschuh, dessen oberer Schaftabschluss im hinteren Bereich unterhalb der Knöchel endet und vorne bis zur Fußbeuge reicht, als Übergang von der Sandale zum Stiefel.

Die hier verkürzt dargestellte Geschichte der Schuhentwicklung entspricht dem allgemeinen Konsens der Forschung. Doch neben Abbildungen auf Vasen, Reliefs, Statuen, Amuletten, Felsbildern oder Gemälden stützen sich die Wissenschaftler bei Ihren Untersuchungen überwiegend auf Fußbekleidungen von Herrschern oder anderen reichen Personen, denn die Schuhe des einfachen Mannes wurden früher so lange getragen, bis sie völlig aufgebraucht waren. Daher existiert so gut wie kein zu erforschendes „gewöhnliches“ Schuhwerk. Zudem spiegelt das verbreitete Schuhgeschichtsbild nur den europäischen Ausschnitt aus den weltweiten Schuhkulturen wieder. In anderen Kulturen und unter anderen klimatischen Umweltbedingungen wurden auch andere Schuhmodelle getragen.

Man denke nur an islamische Länder, in denen seit Jahrhunderten der Pantoffel oder der Pantoffelschuh getragen wird. Die generelle Sitte in vielen Ländern des Orients, beim Betreten des Hauses die Schuhe abzustreifen, hat die Entstehung des Pantoffels als vorherrschende Schuhform ebenso begünstigt, wie religiöse Sitten (barfüßiges Betreten von Moscheen und das Entledigen des Schuhwerks zu den täglichen mehrmaligen Gebeten). Unter historisch-kulturellen Gesichtspunkten werden deshalb fünf Grundtypen des Schuhwerks unterschieden: die Sandale, der Mokassin oder die Opanke, der Stiefel, der Pantoffel und der Halbschuh.

Neues Licht brachte 1991 ein sensationeller Fund im Schnalstaler Gletscher der Ötztaler Alpen. In einer Höhe von 3.200 Metern entdeckte man einen noch im Eis eingeschlossenen Alpenbewohner aus der Endsteinzeit (Kupferzeit). Dieser trug Schuhe. Das Südtiroler Archäologiemuseum (www.iceman.it) beherbergt diesen mit 5.300 Jahren weltweit ältesten Schuhfund. Die Fußbekleidung von Ötzi, wie der Gletschermann genannt wird, entsprach etwa Größe 37 und war erstaunlich komplex konstruiert: Der Boden bestand aus einer Laufsohle aus Braunbärenleder, dessen Pelz nach innen wies. Zwei schmale Lederriemen verbanden die Sohle mit dem zweiteiligen Außenschaft aus Rothirschfell. Die überknöchelhohen Schuhe hatten sogar einen Innenschaft. Dieses wärmende Schuhfutter bestand aus Gras, welches durch ein fili­granes Netz an seinem Platz gehalten wurde. Dieses Geflecht aus Lindenbast war nach unten am inneren Rand der Sohle mit einem breiten Lederstreifen fixiert. Oben am Schaftrand wurde das Netzfutter von einer ebenfalls aus Lindenbast gefertigten Kordel gehalten. Diese diente zugleich als Schnürsenkel und hielt die Schuhe mit einer Art Ristschnürung am Fuß. Als weitere Kälteisolierung und zur Dämpfung war Gras zwischen Schuhfutter, Sohle und Fuß eingestreut. Zwei quer unter der Ledersohle verlaufende und sich überkreuzende Lederriemen drückten sich nach kurzem Gebrauch in die Sohle ein und verhinderten ein Ausrutschen auf steinigem Untergrund.

Ötzi trug also gefütterte, mit Schnürsenkeln verschlossene Schuhe mit einem von der „Profil“-Sohle getrennt geschnittenen Schaft und hatte zusätzlich „Socken“ aus Gras an.

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