DER PENNYLOAFER

Schuhe die wir heute als Pennyloafer kennen, gehen vermutlich auf die Teenright Smoothies von Kerrybrooke zurück. Ein weiches Schlupfschuhmodell, welches als auffällige Neuerung einen auf dem Vorderblatt aufliegenden, quer über den Rist verlaufenden Riemen mit einem kleinen fensterartigen Ausschnitt in der Mitte zeigte. Dieser Querriegel ist bis heute das wesentliche Erkennungszeichen eines jeden Pennyloafers.
Mehr Verbreitung erlangte ein ähnliches Modell, der Weejun, welcher um 1910 vom us-amerikanischen Hersteller G. H. Bass in Massen produziert wurde. Der Durchbruch erfolgte erst 1936 mit dem leicht veränderten Nachfolgemodell Leavitt, benannt nach Norm Leavitt, einem Mitarbeiter, der 40 Jahre lang in der Qualitätskontrolle bei Bass gearbeitet hatte. Nicht zuletzt der auch für damalige Verhältnisse niedrige Verkaufspreis von nur 8 Dollar und ein Artikel in der Juliausgabe des Esquire sorgten für diesen Erfolg.
Bass rüstete damals die Universität von New-Hampshire und das amerikanische Nationalteam mit Skischuhen aus. Eine prächtige Möglichkeit seine Loafer auf dem Campus unter den Mitgliedern der Ivy League einzuführen. Die Rechnung ging auf: Der Loafer avancierte in den vierziger und fünfziger Jahren zum unisex Lieblingsschuh der Studenten der amerikanischen Eliteuniversitäten, was ihm die umgangssprachliche Bezeichnung Collegeschuh einbrachte. Die Bezeichnung „Pennyloafer“ verdankt er den Mädels, die als erste auf die Idee kamen, einen Penny als Glücksbringer bei Prüfungen unter die Aussparung der Brücke über dem Spann zu schieben. Bass ließ sich diesen Dauerbrenner übrigens 17 Jahre lang patentieren.
Bass hat diesen ungefütterten Loafer, dessen Ledersohle, wie bei vielen Loafern üblich, auf die Zwischensohle gedoppelt ist, bis heute im Angebot. Siebzig verschiedene Arbeitsschritte, einschließlich des manuellen Einnähens des Vorderblatts, werden zu seiner Produktion benötigt. Erwarten Sie bei diesem relativ preiswerten Modell von Bass keine Spitzenqualität, wie Sie sie von den Rahmengenähten englischer Abstammung kennen. Der Weejun von Bass ist vergleichsweise einfach gearbeitet (Klebstoffeinsatz, einfache Nägel, Leder mittlerer Qualität). Doch dafür tragen Sie das Original und eine Modelegende an den Füßen. Wenn Sie es aufwendiger – und kostspieliger – wünschen, finden Sie diesen Klassiker selbstverständlich auch bei allen Anbietern hochwertiger Herrenschuhe.
1946 brachte die Firma Sebago eine eigene Version des Pennyloafers auf den Markt. Die Besonderheit des in Bordeauxrot vorgestellten Loafers mit stählerner Gelenkfeder war eine optisch auffallende rindsrouladenähnliche Verdickung beiderseits des Spanns, dort wo die Ristbrücke vernäht war. Auch dieses Modell, vom Volksmund Beefroll getauft, wurde in kurzer Zeit ein Verkaufsschlager und ist bis heute unter der Bezeichnung Classic Shoe im Sebago-Sortiment. Qualitativ ist dieser in 96 Arbeitsschritten gebaute Loafer vergleichbar mit dem Loafer von Bass. Wer auf großem Fuß lebt, findet gewiss einen passenden Classic Shoe, weil dieser von Größe 5½ bis 16 und in 7 Weiten (A bis EEE) angeboten wird. Allerdings kann es in Europa schwierig werden eine selten nachgefragte Größe zu bekommen. Grundsätzlich ist das aber möglich. Selbstverständlich hat auch dieser Schuhklassiker die Hersteller der Schuhoberklasse animiert ihn nachzubauen.
Obwohl alle Pennyloafer die breite, schlitzförmige Aussparung in der Brücke aufweisen, variieren die seitlichen Befestigungen der Ristspange im Design. Wenn man die Gruppe der Pennyloafer noch weiter unterteilen wollte, dann anhand des Ansatzes der Brücke. Bei der Urversion spannt sich die Brücke zwischen den Nähten des Blatteinsatzes, bei dem Modellen mit der „langen“ Brücke, verläuft diese bereits über den gesamten Fuß hinweg, indem sie von Sohlennaht zu Sohlennaht reicht. Zwischenformen gibt es auch.
Charakter: Eleganter, weit verbreiteter und allgemein akzeptierter Loafer. Einsetzbar mit Nadelstreifen im Büro und mit Jeans in der Freizeit. Das Leder und dessen Farbe entscheiden darüber, wo dieser Schuh am besten einsetzbar ist. Glatt und schwarz ist businesstauglich, rau und braun eher der Freizeit vorbehalten. Ein eleganter und zugleich sportlich-legerer Kleidungsmix ergibt sich mit Jeans oder Chinos und weiten Hemden. Seit Jahrzehnten ist der Pennyloafer Bestandteil der klassischen Collegemode und verleiht Polopullovern, Sweatshirts und Jeans den gewissen Chic. Aufgrund der weiten Verbreitung haftet diesem Modell etwas Gewöhnliches an. Wenn Sie sich von der Vielzahl der in Massen produzierten Pennyloafer abheben wollen, gelingt dies nur durch sichtbar hochwertige Verarbeitungs- und Materialqualität des Schafts oder durch ungewöhnliche Brückendesigns.
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