DER BOOTSCHUH

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Manchmal begegnen Sie auf der Suche nach Bootschuhen synonym verwendeten Begriffen wie Docksides, Docksider oder Top-Sider. Diese sind Modellbezeichnungen der jeweiligen Hersteller. So produziert die Docksides mit dem handeingenähten Mokassinblatt auf der Oberseite die Firma Sebago, die Docksider stammen von Timberland und die Top-Sider verkörpern den Ur-Bootschuh, das Original von Sperry.

Der klassische braune ungefütterte Boatshoe, vom Schnitt ein Mokassin, hat eine dünne, meist weiße Gummisohle, die an Deck guten Grip auch bei nassen Planken bietet und ein Ausrutschen verhindert. Das verdankt sie ihrem „Messerschnittprofil“, eine Erfindung von Tom Sperry. Manche Modelle haben noch ein zusätzliches „Dränagesystem“ unter der Sohle, damit unter der Sohle befindliches Wasser schneller abfließen kann. Selbstverständlich würde kein Skipper die Sohle an Bord lassen, wenn die Gefahr eines Abfärbens bestünde, im Sohlenprofil das Deck zerkratzende Steinchen hängenbleiben könnten oder die See- beziehungsweise Salzwasserbeständigkeit nicht gegeben wäre. Der ledernde, 120 Zentimeter lange Schnürsenkel reicht um die gesamte Öffnung des Schuhs herum. Dadurch kann der Schuh dem Fuß im Fersenbereich bei Bedarf zusätzlich angepasst werden. Für Bootschuhe wird ein Fettleder, ein besonders wasserresistent gegerbtes, ursprünglich angeblich vom Elch, heute vom Rind stammendes Waterproofleder verwendet. Es gibt auch Varianten in Nubuk. Der Anlaufschutz der Messingösen sorgt für dauerhafte Seewasserbeständigkeit. Auch die Nähte trotzen dem Salzwasser, weil sie mit Garnen aus Nylon genäht werden. Es versteht sich von selbst, dass ein Schuh, der für den feucht-nassen Einsatz geeignet ist, über kein zusätzliches Futter verfügt. Bis eine solche Konstruktion wieder trocken würde, verginge zu viel Zeit. Die Deckbrandsohle ist mit einem Latexkleber befestigt. Der besseren Haltbarkeit und Flexibilität wegen ist der Schaft mit den besonders biegefreudigen Laufsohlen aus Kautschuk oder synthetischem Gummi vernäht (Falls Sie Klebespuren finden, stammen diese nur von der Randfixierung vor dem Nähen.)

Wer Bootschuhe auch als solche einzusetzen gedenkt, sollte sich im Fachgeschäft erkundigen. Zwar ist der Achtziger-Jahre-Boom längst vorbei, dennoch gilt es sich vor billigen Importnachahmern in Acht zu nehmen. Diese sind oft geklebt, bei weitem nicht so flexibel, auch nicht seewasserbeständig und hören meist bei Größe 45 oder 46 auf. Männer mit größeren Füßen werden bei den namhaften Herstellern (Rockport, Sebago, Timberland und anderen) bis Größe 50 und oft in verschiedenen Weiten fündig. Als groben Orientierung können Sie davon ausgehen, dass ein guter Bootschuh 100 Euro oder mehr kostet. Für den Laien sehen die Schuhe auch bei genauer Betrachtung alle gleich aus, doch der Fachmann kennt die Unterschiede der einzelnen Modelle sehr genau. Was unterschiedliche Weiten anbelangt, so bietet Sebago W und WW (weiter) an. In den USA wird darüber hinaus auch die Weite „M“ (sehr schmal) angeboten. Timberland und TWS bieten nur eine Weite, jedoch verschiedene Leistenformen, die sich auch in Weitenunterschieden manifestieren.

Wenn Sie den Schaft oberhalb der Sohle zur Seite drücken, können Sie bei den besseren – den genähten Exemplaren – die Fäden der Naht erspähen. Als weiteren Schnelltest sollten Sie seitlich des Einstiegs am Schnürriemen ziehen: Ordentlich getunnelt müsste sich das Band jetzt im Bereich der eigentlichen Schnürung bewegen.

Ob Sperry (USA), TBS (F), Timberland (USA), Sebago (USA) oder Justin (USA) – die meisten dieser Produzenten biten verschiedene Modelle für unterschiedliche Einsatzzwecke. Vielleicht finden Sie auch noch ein Modell von Church. Dieser Hersteller war Mitte der neunziger Jahre mit seinem Bootschuh in über 22 Ländern sehr erfolgreich und an den Füßen mancher Proficrew präsent. Lassen Sie sich im guten Schuhfachhandel beraten oder wenden Sie sich an die Firma Vormbrock, die sich in ihrem Schuhgeschäft auf Bootschuhe spezialisiert hat und über hohe Kompetenz in diesem Bereich verfügt.

Der Bootschuh wurde 1935 in Amerika vom Freizeitsegler Paul Sperry geschaffen. Inspiriert von der Trittfläche der Pfoten seines Cockerspaniels Prince, die bei einem Winterspaziergang auch auf Eis nur wenig rutschten, entwickelte er die inzwischen weltberühmten ersten richtigen Bootschuhe und benannte sie nach dem über der Wasserlinie befindlichen Teil des Schiffsrumpfes, Top-Sider. Die Segelschuhe zur damaligen Zeit bestanden aus Canvas und hatten entweder eine Kreppsohle oder eine Sohle aus Hanf. Sperry war schon immer ein Bastler und Erfinder gewesen (er besaß mehr als 15 Patente). Alles was Sperry anfing, machte er bis zu seinem Tod 1982 im Alter von 88 Jahren zu 115 Prozent. So auch das Segeln, wofür er mehrere Auszeichnungen und Preise einheimste. Das Prinzip der fein gefurchten Haut der Pfoten seines Hundes übertrug Sperry zunächst auf eine Gummiplatte, in die er eine ähnliche Riffelung ritzte und testete anschließend deren Grip auf einer zuvor befeuchteten polierten Metallplatte. Er fand schnell heraus, dass eine grätenähnliche Einschnittformierung Rutschfestigkeit in alle Richtungen bot und übertrug diese Einschnitte auf die Sohle seiner Segelschuhe. Von deren Griffigkeit auch auf nassen Planken war er begeistert. Kurze Zeit später brachte er den ersten ledernden Bootschuh heraus mit dem entsprechend eingeschnittenen Sohlenprofil. Dieser Bootschuh ist bis heute unter Seglern sehr beliebt und wird seit 1979 unter der Regie der Stride Rite Corporation nicht mehr nur in Fachgeschäften für Segelbedarf, sondern ebenso in normalen Schuhgeschäften vertrieben. Das braune Original wird bis heute unverändert gebaut und ist, obwohl inzwischen in vielen Farben erhältlich, der meistverkaufte Bootschuh für Männer und Frauen.

Einige Yachties sollen sich daran stören, dass diese praktischen Schuhe allgemein in Mode kamen, wodurch sie sich nicht mehr aus der breiten Masse herausheben. Doch längst haben die bekannten Spezialausrüster Ihre Deckschuhe weiterentwickelt und somit statusbewusste Segler wieder individuelle Schuherkennungsmerkmale. Die neuen Modelle werden gewiss nicht so schnell Teil des Mainstreams, weil ihnen die so praktische Allroundtauglichkeit des ursprünglichen Boatshoe fehlt.

Unter dem Gesichtspunkt der Allroundtauglichkeit ist der einzige Nachteil die dünne Gummisohle des Bootschuhs, die längere Landausflüge vermiesen kann. Aus diesem Grund haben manche Hersteller dieses Schuhmodell mit einer dicken Profilsohle und meist auch gleich mit einem Futterleder versehen. Derermaßen ausgerüstet ist dieses Schuhmodell dann vollkommen landrattentauglich.

Charakter: Für Regattateilnehmer ist der Bootschuh ein Teil der Bekleidungsausrüstung. Für Landratten und Freizeitsegler ist er ein reinrassiger Freizeitschuh, der auch fernab der Weltmeere und Seen getragen wird. In Küstennähe aber bitte mit der dünnen Sohle und bei passender Temperatur vorzugsweise barfuß. Wer farbige Schuhe mag, wird an den Rauledervarianten der Bootschuhe seine Freude haben. Diese werden allein von Sebago in 38 unterschiedlichen Farbkombinationen angeboten. Und wenn Sie auf Partnerlook stehen, bietet sich dieser Unisexschuh als bessere Turnschuhalternative ebenso an. Ein praktischer und stilbewusster Casual-Allrounder, dem man seinen pragmatischen nordamerikanischen Ursprung noch ansieht und der sich auch bei Regenwetter mit Ostfriesennerz und Jeans kombinieren lässt.

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