RINDLEDER

Rindleder wird aus den Häuten junger Kühe und – in schlechterer Qualität – von Ochsen gewonnen, wobei das verbreitete Rindboxleder von jungen Kühen stammt. Rindleder ist dick (als Schuhoberleder 1,2-1,8 Millimeter, selten stärker), fest und hoch strapazierbar. Außerdem ist es widerstandsfähig gegen Nässe, wärmehaltend und formbeständig. Man erkennt durchgefärbtes Rindleder an einem leicht fettigen Griff und daran, dass die sonst glatte Oberfläche, dort wo die Haare saßen, kleine Löchern aufweist. Handelt sich um deckgefärbtes Rindleder finden Sie diese Haarlöcher natürlich nicht mehr. Das Verhältnis der lockeren Papillarschicht liegt mit einem Fünftel oder Sechstel der Gesamtdicke der Haut günstig im Vergleich zur Stärke der festen Retikularschicht. Selbst die Papillarschicht hat im Vergleich zu anderen Ledern noch eine relativ hohe Festigkeit. Der stärkste und massivste Teil der 2,4 – 4 m² großen Haut befindet sich rechts und links der Wirbelsäule. Aus der Halspartie werden Brandsohle und Zwischensohle, Rahmen, Hinterkappe und Vorderkappe ausgeschnitten. Die Bauchpartie ist für haltbare und formbeständige Schuhe nicht tauglich. Als Oberleder wird Rindleder meist für Strapazierschuhwerk verwendet. Lohgegerbtes Rindleder eignet sich für die unteren Teile des Schuhs (Boden), einfach Vegetabilgegerbtes für derbe Schäfte und schweres Oberleder (Arbeitsschuhe, Wanderschuhe) und Chromgegerbtes für die Schaftteile von nicht ganz so derbem Schuhwerk (Countryschuhe).
Die mittelfeinen robusteren Oberleder werden als Material für rahmengenähte Countrywear herangezogen. Oft zu Nubukleder, häufig zu Spaltvelours und auch zu Rindspaltfutterleder verarbeitet (keine Verwendung bei besseren Schuhen, weil es fest und rau ist). Weitere Informationen hierüber finden Sie unter Rauleder. Selten ist Rindleder als Lackleder (Näheres unter Lackleder), dem sogenannten Rindlack, anzutreffen. Auf der Narbenseite abgeschliffenes und mit einem Pressnarben versehenes Rindleder bezeichnet man als Elkleder. Dieses in einer kombinierten Aluminium-Chromgerbung hergestellte Material findet jedoch keine Verwendung für höherwertige Schuhe. Sportrindleder ist ebenfalls ein Pressnarbenleder. Das derbe Aussehen dieses vegetabil gegerbten, deckgefärbten Leders prädestiniert es für Arbeitsschuhe und -stiefel. Für hochwertiges feineres Schuhwerk findet es keine Verwendung. Die schwereren Rindleder werden zur Herstellung von Arbeits-, Berg- und Jagdschuhen genutzt. Auch die Waterproofleder (siehe dort) sind dieser Kategorie zugehörig. Gleiches gilt für die heute kaum noch anzutreffenden Juchtenleder (siehe dort).
Rindboxleder (auch Chromrindleder genannt) ist mäßig gefettet (2-6 Prozent Fettgehalt), hat einen fest sitzenden Narben und ist noch stabiler und strapazierfähiger als Boxcalf oder Mastbox und, obgleich voll und kräftig im Griff, weicher und geschmeidiger als Rindleder. Wegen seiner meist unregelmäßigen Oberfläche wird es oft als Scotchgrainleder mit einer Kunstnarbenschicht versehen. Es wird aus den mit 15 bis 25 Kilogramm leichteren Gewichtsklassen der Kuh- und Rinderhäute hergestellt. Die kräftigen Häute werden auf 1,6 bis 2,4 Millimeter gespalten. Der Narbenspalt wird zu Oberleder und der Fleischspalt zu Futterleder für billige Schuhe weiterbearbeitet.
Ebenfalls als Schuhoberleder anzutreffen sind Brush-Leder (Synonym: Brush-off-Leder). Hierfür werden Häute älterer Tiere verwendet, die entsprechend viele Narbenschäden (Muttermale und Verletzungen) haben. Diese Leder werden beim Zurichten etwas abgeschliffen (Schleifbox), um die gröbsten Narbenfehler zu egalisieren und anschließend deckgefärbt, so dass sich wieder ein Glattleder ergibt. In der Vergangenheit kam es im Gebrauch dieser Leder aber gelegentlich zu stark sichtbaren Gehfalten, weshalb die meisten Schuhhersteller hochwertiger Herrenschuhe hiervon wieder Abstand genommen haben und es nicht weiter verwenden.
Kipsleder stammen von dem in Ostindien und China beheimateten Zeburind (Höckerrind). Die Struktur ist etwas härter und gröber im Narbenbild als die Rindzahmhäute. Das Fasergefüge ist jedoch fein und geschlossen. Kipshäute werden gerne als Grundlage für Scotchgrain genommen.
Wasserbüffelleder (Carabao aus Südostasien) kann grob den Rindledern zugerechnet werden. Es hat als Oberleder eine Stärke von 1,4 bis 1,6 Millimeter. Das Erscheinungsbild ist aufgrund der Wildwüchsigkeit recht unterschiedlich. Oft werden Wasserbüffelleder mit Pressnarben versehen. In der histologischen Struktur stimmt es weitgehend mit Rindleder überein.
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