Test für echte Schuhprofis: Deutsche Redewendungen und ihre Herkunft

Viele deutsche Redensarten bzw. Sinnsprüche stammen von einem der ältesten Gewerbe in Deutschland, dem Schuhhandwerk.

Sie werden auch noch in der modernen Sprache verwendet.
Die Bedeutung kennen sicherlich die meisten von Ihnen. Aber kennen Sie auch den Ursprung der Redewendung?

Wir haben die 10 beliebtesten Redewendungen bzw. Sinnsprüche rund um das Thema Schuhhandwerk für Sie zusammengestellt.

Testen Sie selbst Ihr Wissen:

1. Über einen Leisten schlagen
2. Schuster bleib bei deinen Leisten
3. Vom Leder ziehen
4. Umgekehrt wird ein Schuh draus
5. Auf Schusters Rappen (reisen)
6. Seine Felle davon schwimmen sehen
7. Auf großem Fuße leben
8. Jemandem etwas in die Schuhe schieben
9. Wo drückt der Schuh?
10. Sich den Schuh nicht anziehen wollen


Hier kommt die Auflösung:


1.)    Über einen Leisten schlagen

Ursprung
: Der Leisten, über den bei der Schuhproduktion das Leder gespannt wird und der Schuh zusammengenäht wird, war im 16. Jahrhundert aus Holz oder Metall. Im Gegensatz zu heute, hatten damalige Schuhmacher teilweise nur einen Leisten, somit konnte auch nur eine Schuhgröße oder Schuhweite gefertigt werden. Im Übrigen wurde damals noch nicht zwischen rechtem und linkem Schuh unterschieden. Es gab nur Einheitsschuhe.

Bedeutung: Alles mit dem gleichen Schema behandeln/ unflexibel sein.

2.)    Schuster bleib bei deinen Leisten

Ursprung:
Der berühmte griechische Maler Apelles (4. Jahrhundert v. Chr) stellte einer Legende nach eines seiner Bilder auf dem Markplatz aus und beobachtete hierbei heimlich die Reaktionen der Passanten. Als ein Schuster bemängelte, dass der Schuh auf dem Bild eine Öse zu wenig hatte, besserte Apelles den Fehler aus. Doch als der Schuster am Tag darauf nochmals ankam mit Anmerkungen zu anderen Teilen des Kunstwerks, erwiderte Apelles: „Schuster bleib bei deinen Leisten“

Bedeutung:
Der Spruch ist eine freundliche Aufforderung, dass man sich auf das beschränken möge, was man nachweislich kennt und kann. Es muss dabei nicht nur um Kritik und Fachsimpeln in fremden Wissenbereichen gehen, sondern man kann diesen Spruch auch in anderen Lebensbereichen anwenden, z.B. hinsichtlich seiner Tätigkeit und konkreten Arbeiten. Häufig wird es auch in Unternehmen verwendet, wenn es um das Kerngeschäft geht, das man nicht verlassen sollte.

3.)    Vom Leder ziehen

Ursprung:
Mit dem Leder in diesem Spruch ist die lederne Schwertscheide gemeint, die bei den Rittern im Mittelalter im Einsatz war. Diese umgaben die Schwerter an der Koppel. Mit der Schwertscheide wurde das kostbare Schwert geschützt, aber natürlich auch der Ritter bzw. sein Knappe. Wenn der Ritter das Schwert vom Leder, also aus der Scheide zog, wurde es gemeinhin ernst, es ging dann um Angriff (und Verteidigung).

Bedeutung: Heute sind die Zeiten nicht ganz so kriegerisch und die Rittergeschlechter sind ausgestorben, man kämpft auch nicht mehr so häufig mit dem Schwert, sondern überwiegend mit dem Wort. Man sagt daher ja auch, dass neuzeitlich die Zunge die schärfste Waffe geworden ist, das aber nur nebenher. Der Spruch gilt im übertragenen Sinne und bedeutet: Jemanden scharf kritisieren oder jemanden (verbal) angreifen

4.)    Umgekehrt wird ein Schuh draus

Ursprung:
Im 12. Jahrhundert sahen die Schuhe noch deutlich anders aus als heute. Man kann sich die Schuhe aus der damaligen Zeit eher als Lederbeutel vorstellen, die den Fuß umschlossen. Trotzdem legten auch die Menschen damals Wert auf eine gewisse Ästhetik. Daher wurden die Lederbeutel, die auf links genäht wurden, nach der Fertigstellung umgedreht bzw. gewendet, um die Nähte zu verstecken. So wurde sprichwörtlich umgedreht ein Schuh draus.
Bedeutung: Wenn man seinem Gegenüber deuten möchte, dass er eine Sache von der falschen Seite her angefangen bzw. die Sache falsch herum angepackt hat, dann ist das der richtige Spruch dazu.


5.)
    Auf Schusters Rappen (reisen)


Ursprung:
Ab dem 17. Jahrhundert wurden die eigenen Schuhe des Schusters als Rappen bezeichnet. Hierbei wurde die damalige Armut der Schuster absichtlich in Kontrast zum Rappen gesetzt. Der Rappe (komplett schwarzes Pferd) galt als besonders edel, da er selten vorkam (unter 10% der Pferdepopulationen) und daher einen hohen Preis hatte. Das Reiten von Rappen war über viele Jahrhunderte daher dem Adel bzw. später nur den gehobenen Ständen vorbehalten.

Bedeutung:
Heute eher scherzhaft gebräuchlich: In den eigenen Schuhen unterwegs sein (zu Fuß unterwegs sein) und nicht auf andere Verkehrsmittel zurückzugreifen.

6.)    Seine Felle davonschwimmen sehen

Ursprung:
Die Gerbung von Tierhäuten ist ein sehr wasserintensiver Prozess. Daher befanden sich Gerbereien immer in der Nähe von Flüssen und Strömen. Als früher die Gerber die Tierhäute in den Flüssen reinigten, mussten sie besonders bei starker Strömung darauf achten, dass die Felle nicht davonschwammen. War dies der Fall, war ihre ganze Arbeit umsonst. Felle waren sehr wertvoll und die Lebensgrundlage des Gerbers. Die Felle nicht davonschwimmen zu lassen, war daher existentiell.

Bedeutung:
Die eigenen Hoffnungen zerplatzen sehen, befürchten, der Chancen und Möglichkeiten beraubt zu werden

7.)    Auf großem Fuße leben

Ursprung:
Ein französischer Graf, welcher im Mittelalter lebte,  hatte einer Legende nach ein Geschwür am Fuß. Dieses wollte er in seinen neuen Schuhen verstecken und bat daher seinen Schuster, ihm große, schnabelförmige Schuhe zu entwerfen. Die anderen Stände betrachteten dies als neue Mode zu Hofe und wollten ihm nacheifern. Schuhe waren zu der damaligen Zeit außerordentlich teuer. Obgleich nur wenige wirklich reiche Bürger sich diese neuen Schuhe hätten leisten können, haben sie sich dennoch diese neumodischen Schuhe zugelegt.

Bedeutung:
Heute eher negativ konnotiert: (Zu) viel Geld ausgeben, einen sehr teuren Lebensstandard und allzu hohe Lebenshaltungskosten haben, Geld verprassen.

8.)    Jemandem etwas in die Schuhe schieben

Ursprung:
Im Mittelalter nächtigten wandernde Handwerksgesellen häufig in unterschiedlichen Herbergen. Hierbei wurde häufig gestohlen und vor allem Goldmünzen von anderen entwendet. Bestand solch ein Verdacht, wurden der Raum und die Handwerksgesellen genauestens überprüft. In diesem Fall musste die entwendete Goldmünze schnell verschwinden und wurde in die Schuhe des Bettnachbars gesteckt.

Bedeutung:
Die Schuld auf einen anderen schieben

9.)    Wo drückt der Schuh?

Ursprung:
Dieser Spruch kommt aus der Zeit der alten Römer. Hierbei haben Freunde eines Mannes nicht verstanden, wieso er sich von seiner treuen und auch sehr schönen Frau hat trennen lassen. Er zeigte auf die Schuhe seines Freundes und meinte: “Auch deine Schuhe sind schön, aber dennoch weiß niemand außer dir, wo diese drücken.“

Bedeutung: Heute wird dieser Spruch als charmante Formulierung verwendet, wenn man wissen möchte, was bei einem anderen nicht stimmt beziehungsweise ihn bedrückt.

10.)    Sich den Schuh nicht anziehen wollen

Ursprung:
Dieser Spruch ist eine Ableitung von dem Spruch “Wem der Schuh passt, der zieht ihn sich an”. Im Umkehrschluss heißt das, dass man sich bei etwas, das einen nicht betrifft, aus der Sache raushält.

Bedeutung: Die Schuld an etwas sich nicht zuweisen lassen.