Grundlos strumpflos?

Eine längst veraltete Regel lautet „No brown after six.“ Gemeint war
Mit den Noppenschuhen von Tod’s wurde es populär, bei Sonnenscheinwetter und höheren Temperaturen Schuhe barfuß zu tragen. Michael Douglas machte es auf Werbefotos auf den Kanaren vor, und viele machten es ihm nach. Ob all diese Nachahmer zuvor Ihre Knöchelgegend auf unästhetische Krähenfüße hin untersucht haben, darf angezweifelt werden. Dieser vermeintlich lässige Chic hat neben diesem ästhetischen noch einen anderen recht unangenehmen Nachteil. Wer geschlossene Schuhe, unerheblich ob Mokassins oder Loafer (andere Modelle kommen ohnehin nicht in Frage), ohne Strümpfe trägt, wird an den Füßen schon nach kurzer Zeit spürbar zu schwitzen beginnen – in gefütterten Schuhen sogar mehr als in Ungefütterten.
Natürlich gibt es von dieser Regel auch Ausnahmen. Der Haferlschuh ist eine solche. Dieses Schuhmodell wird traditionell immer barfuß getragen. Dafür sind Haferlschuhe aber auch konzipiert, das heißt, der Schaft hat kein separates Futter.
Wer strumpflos Schuhe tragen möchte, sollte besser die hierfür gedachten Sandalen bevorzugen. Da kann frische Luft an die Haut und das Tragegefühl ist angenehm. In geschlossenen Lederschuhen (mit Futterleder) ist das Schweißbad hingegen vorprogrammiert. Das kann auch keine noch so gute Brandsohle verhindern. Selbst Frotteeeinlegesohlen, die speziell für diesen Zweck geschaffen wurden, sind nur eine bedingte Lösung. Zwar saugen sie flugs den Schweiß auf, doch ist ein vorher passender Schuh mit dieser zusätzlichen Einlage dann meist zu klein. Auch besteht ohne Strümpfe die Gefahr, dass der Fußschweiß eher das Futterleder angreift oder es zu hässlichen Schweißrändern auf dem Oberleder kommt. Unter praktischen Gesichtspunkten ist es folglich wenig sinnvoll, barfuß in Halbschuhe zu schlüpfen. Ein entwickeltes Gefühl für Ästhetik verhindert ebenfalls das Tragen von Schnürschuhen ohne Strümpfe. Barfuß beschuht passt, wenn überhaupt, dann nur in Kombination mit Casualwear in den Freizeitbereich – das zu erkennen, bedarf es aber sicher keiner Etiketteregeln.
Eine ebenfalls nicht mehr gültige Regel besagt, dass Kreppsohlen unter
Für den Plausch an der Poolbar oder den Eisgenuss im nahe gelegenen Café mag es noch in Ordnung sein. Denn mit transpirierenden Füßen vergeht einem der Spaß ziemlich bald. Wer unter diesen Umständen noch viel Gehen muss, kann anschließend die Blasen an seinen Füßen zählen.
Wollen Sie der Optik wegen, keine Socken tragen, ziehen Sie Füßlinge an. Füßlinge, scherzhaft auch Fußslips genannt, sind Socken, die nur die Zehen, die Fußsohle und die Ferse bedecken. Im Schuh getragen, sind sie somit von außen nicht sichtbar, bieten zugleich jedoch die klimatischen Vorteile eines Strumpfes. Inzwischen bieten die meisten Strumpfhersteller auch Füßlinge für die Herren der Schöpfung an.
Selbstverständlich finden sich immer noch hinreichend Okkasionen zum risikolosen barfüßigen Schuhe tragen. Laue Abende etwa, bei denen keine Überhitzungsgefahr besteht und sich das Promenieren in Grenzen hält, weil man mit Freunden auf einer Gartenparty ist. Achten Sie im Ausland dabei auf die Gepflogenheiten vor Ort. Nicht nur in Korea wird ein Gast ohne Strümpfe ungern in Restaurants gesehen.
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