LEDERSOHLEN REPARIEREN

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Neue Ledersohlen sollten draußen zunächst nur bei trockenem Untergrund getragen werden, um ein Aufquellen durch Nässe und eine dadurch beschleunigte Abnutzung zu verhindern. Erst nach mehrmaligem Gebrauch, wenn die Sohle richtig aufgeraut ist, hat sie die gewünschte Festigkeit und Verdichtung erhalten. Jetzt erst ist sie auch gegen Feuchtigkeit und Nässe ausreichend widerstandsfähig. Die Sohlen nehmen dann nur noch in der äußersten Schicht Wasser auf. Das führt zu einem Aufquellen der vom Wasser erreichten Lederfasern, wodurch es zu einer Strukturverdichtung kommt, die ein weiteres Eindringen von Wasser erschwert. Dieses Verhalten verbessert sich, ebenso wie die Abriebfestigkeit, umso mehr, je häufiger die Sohle durch Tragen beansprucht wird.

Sollte sich der Rissdeckel über der Naht lösen, so kann ihn der Schuhmacher wieder zukleben. Hat er sich auf einer größeren Strecke gelöst, wird er einfach abgeschnitten. Neulinge in Sachen rahmengenähter Schuhe sehen hierin häufig einen Reklamationsgrund. Dem ist nicht so. Für die Haltbarkeit der Naht ist das Lösen der Risslippe, wie der Rissdeckel auch genannt wird, unerheblich. Die Doppelnaht liegt immer noch in der Tiefe der Rissgrube und ist, dank der verknoteten und mit Pech verklebten zwei Fäden, selbst bei teilweiser Beschädigung weiterhin haltbar. Manche Schuhe werden von vorneherein ohne separate Rissgrube für die Laufsohlennaht gefertigt, da sich die Fäden beim Aufdoppeln mit der Maschine von selbst in das feuchte Leder ziehen. Die Rissgrube und das anschließende Verschließen derselben ist zwar anfänglich ein kleiner Zusatzschutz für die Naht, aber funktionell letztlich unerheblich. Der Hauptgrund für die verdeckte Naht ist die gefälligere Gestaltung des Bodenausputzes.

Neubesohlung

Wird die Laufsohle mit der Zeit bedenklich dünn (etwa zwei Drittel sind bereits abgelaufen), gehen Sie mit Ihren Schuhen zum Schuhmacher, damit er beurteilt, ob eine Neubesohlung nötig ist oder ob Sie noch zuwarten können. Als Laie ist dies schwer zu beurteilen und hängt auch von Ihrem individuellen Gangmuster sowie dem lokalen Abrieb der Sohle ab. Warten Sie aber nicht so lange, bis Sie schon ein Loch in der Sohle haben. Ist die Ledersohle erst einmal durchgelaufen und reicht das Loch bis in die Korkeinballung, entsteht schnell ein tiefes Loch. Das sieht zwar dramatischer aus als es ist, dennoch ist es natürlich besser und kostensparender die Sohlen rechtzeitig erneuern zu lassen.

Handelt es sich bei den Schuhen um eine durchgenähte Machart, können Sie bedenkenlos Ihre Schuhe jedem guten Schuster zur Neubesohlung anvertrauen. Bei rahmengenähten Schuhen sollten Sie sich das allerdings gut überlegen: Selbst wenn der Schuhmacher ein erfahrener Profi ist, der im Bedarfsfall auch über Ersatzrahmen und Korkausballmasse verfügt, so hat er doch nicht den Originalleisten, um darauf Ihre Schuhe neu aufzudoppeln. Bei rahmengenähten Premiumschuhen ist deshalb das Einschicken der Schuhe zum Produzenten immer der sichere und wohl auch der bessere Weg (vergleiche die Gründe im Textkasten Neubesohlung). Die Alden Shoe Company übertreibt nicht, wenn sie behauptet, dass dafür äußerst sorgfältige und erfahrene Handwerkskunst erforderlich ist. Und wie bereits erläutert gibt es auch nur wenige Profis, die sich auf solche Tätigkeiten spezialisiert haben.

Neubesohlungen lassen sich üblicherweise drei- bis viermal problemlos ausführen, dann wird die Reparatur oft aufwendiger, weil der Rahmen ersetzt werden muss. Man kann natürlich nicht immer wieder an der gleichen Stelle durch den Rahmen nähen. Irgendwann ist er so durchlöchert, dass die Naht nicht mehr sicheren Halt findet.

Problematisch und teuer wird es bei handeingestochenen Schuhen. Aufgrund der Bodenkonstruktion mit Einstechdamm ist das Nähen mit der Goodyear-Maschine nicht möglich. In solchen Fällen muss der Schuhmacher von Hand nähen, was allein bei einer Einstechnaht pro Schuh etwa eine Dreiviertelstunde dauert, wogegen mit maschineller Hilfe diese Arbeit in nur 15 bis 20 Sekunden erledigt wäre. Je nachdem in welchem Zustand die Einstechnaht sich befindet und was alles an einem solchen Schuh zu reparieren ist, treibt dies die Reparaturkosten in schwindelerregende Höhen. Für preis-leistungsbewusste Käufer sicher mit ein Grund von der Anschaffung handeingestochener Schuhe abzusehen.

Für Bootschuhe bieten die Hersteller keinen Neubesohlungs- oder Reparaturservice an. Da diese Sohlen im Durchnähverfahren angebracht sind, kann ihr Schuhmacher die Reparatur vornehmen. Schief gelaufene Absätze werden zunächst wieder gerade geschliffen und dann ein Absatzfleck aufgeklebt oder (aufwändiger und teurer) zusätzlich aufgenäht

Schuhspitzen

Gute Ledersohlen halten bei normalgewichtigen Trägern lange. Der einzige Schwachpunkt ist der Sohlenbereich unter der Schuhspitze. Durch die Abrollbewegung bei jedem Schritt wird diese kleine Fläche stark belastet und verschleißt ziemlich schnell.

Lassen Sie sich unter neue, erst wenige Tage getragene und somit gerade aufgeraute und etwas verdichtete Ledersohlen, kleine halbmondförmige Schoner unter die Schuhspitze nageln. Die Nägel müssen aus Messing sein. Eisennägel rosten und beanspruchen die Sohle, da sie mit den Gerbstoffen reagieren. Die Schoner verhindern zuverlässig die sonst schnell stattfindende Abnutzung der Sohle in diesem Bereich. Diese einfach erscheinende Arbeit sollte von einem sorgfältig arbeitenden Schuhmacher ausgeführt werden. Und zwar aus zwei Gründen: Einerseits wird er das Plättchen so an die Sohle anpassen, dass keine Kante mehr absteht, wodurch es sonst vorzeitig abgerissen würde. Und zum zweiten wird er darauf achten, die Nägel möglichst so zu positionieren, dass sie nicht den Faden der Einstechnaht perforieren. Das wäre der Haltbarkeit Ihrer Schuhe nämlich eher abträglich.

Doch selbst wenn dies geschieht, ist das noch kein wirkliches Malheur, sofern bei der Einstechnaht mit einem gepechten Faden genäht wurde. Denn die durch das Pech zigfach verklebte Einfadennaht hält auch dann noch, wenn der Nagel das Garn beschädigt. Und bei handgenähten Schuhen mit Einstechdamm besteht diese Naht sogar aus zwei Fäden. Fachkundige Arbeit des Schusters vorausgesetzt, besteht die Gefahr einer Nahtbeschädigung fast nicht, weil die Nägel eher im Bereich der Doppelnaht und des Rahmens eingeschlagen werden, als in der einige Millimeter weiter zur Schuhmitte hin verlaufenden Einstechnaht. Und bei einem späteren Ersatz des Schoners werden von einem wirklichen Reparaturprofi immer wieder die gleichen Nagellöcher benutzt, die schon zuvor die Nägel hielten. Sollten diese eines Tages ausgeleiert sein, werden zunächst kleine Holzstifte in die Löcher eingeschlagen und der folgende Nagel erneut an derselben Stelle platziert.

Was wäre die Alternative zu dieser einfachen und preiswerten Reparatur? Sie können die Sohlenspitze auch soweit ablaufen, dass sich eine Gummi-, Perlon- oder neue Lederschicht lohnt, die Ihnen der Schuster einpasst und anklebt. Doch ist das auch nicht das Gelbe vom Ei, da diese Variante gleich vier Nachteile mit sich bringt. Zunächst einmal ist sie wesentlich teurer als die vorgenannte Methode, da sie ja auch viel mehr Arbeit erfordert. Desweiteren schauen Ihre Sohlenspitzen über längere Zeiträume hinweg iregelrecht „angeknabbert“ aus, weil sie erst relativ weit abgelaufen werden, bevor der Schuster sie ersetzt. Ferner hat er Probleme mit seinem Klebstoff, der bei einer regelmäßig mit Ledersohlenöl gepflegten Laufsohle, nur ungenügend haftet. Und schlussendlich muss der Schuhmacher zum Einsatz neuer Spitzen immer vorbereitend Schleifen. Das kostet jedes Mal etwas Schuhsubstanz.

Für die Haltbarkeit der Sohlenspitze ist neben der Spitzensprengung vor allem die Biegefreudigkeit der gesamten Bodenkonstruktion verantwortlich. Eine dünne Ledersohle biegt sich wesentlich mehr beim Abrollen des Fußes, als es die dicken, oder gar doppelten Sohlen vermögen. Bei diesen ist der Schuhboden so steif, das sie über die Schuhspitze mehr abkanten, als abrollen. Folglich beanspruchen Sie die Schuhspitzen bei Schuhen mit Doppelsohle viel, viel mehr, als bei einem leichtfüßigen Italo-Loafer mit Vier-Millimeter-Einfachsohle. Diese helfen Reklamationen zu vermeiden, die sich sonst bei den ruckzuck runter gelaufenen Spitzen aus Leder einstellen würden.

Schutzsohle

Die einen sagen, dass man unbedingt beim Schuster eine Wetterschutzsohle über die vorhandene Ledersohle anbringen lassen sollte, damit die Naht nicht beschädigt und Regennässe von den Ledersohlen ferngehalten wird. Andere behaupten, dass man gerade das unterlassen sollte. Was ist richtig?

Mit jeder Anbringung von Gummigleitschutzsohlen verändern Sie die Konstruktion der Schuhe und die Belastung des Schaftes beim Abrollen. Die zusätzlich aufgebrachte dünne Gummisohle muss beim Abbiegen des Schuhs die größte Dehnung des Gesamtbodens mitmachen. Wenn sich diese Sohle kaum dehnt, wird der Schuhboden steifer, und die aufeinander abgestimmten Komponenten des Schuhs passen nicht mehr zusammen. Wenn jetzt gar eine Lederschutzsohle aufgebracht wird, kommt es zu einer Erhöhung der Zugkräfte auf den Schaft und dessen Bodenverbindung. Das lässt dann unter Umständen das Oberleder reißen oder, und das ist wahrscheinlicher, die Einstechnaht platzen. Eine ähnliche Wirkung haben übrigens auch sehr steife doppelsohlige Bodenkonstruktionen ohne Spitzenhub (Sprengung). Schuhe mit Ledersohlen sind hier immer anfälliger, ganz einfach weil Gummisohlen elastischer sind. Bei zwiegenähten Schuhen ist das nicht so kritisch, einfach Rahmengenähte sind aber gefährdet, da es hier durch das Aufkleben einer Lederlaufsohle auf eine Zwischensohle aus Leder zu dem so genannten Verblocken kommen kann, was das Abrollen erschwert (und das Abtrennen der alten Sohle bei einer weiteren Neubesohlungzum Kraftakt macht).

Doch sollte die Argumentation der Schuhzerstörung bei einfachen Gummigleitschutzsohlen nicht überbewertet werden! Mir ist kein Fall bekannt, wo hochwertige Schuhe aufgrund einer nachträglich, vom qualifizierten Schuhmacher aufgebrachten dünnen Gummischutzsohle beschädigt worden wären. Natürlich vermag sich eine preiswertere PVC-Schutzsohle der Sohlenbiegung nicht so anzupassen, wie es eine Sohle mit hohem Kautschukanteil kann. Genauso wichtig wie das richtige Material ist auch die Sorgfalt des Schusters beim Aufkleben der Schutzsohle. Wenn er die Laufsohle des Schuhs dabei ein wenig vorbiegt, versteift diese später beim Abrollen nicht die Bodenkonstruktion des Schuhs.

Der Hersteller J. M. Weston, der alle Bodenleder aus firmeneigenen Gerbereien bezieht, weist im Zusammenhang mit Schutzsohlen auf die verminderte Atmungsaktivität hin. Entsprechend rät man davon ab, weil sonst die Oberfläche der Laufsohle für die Abgabe des Wasserdampfes verloren ginge. – Auch dieses Argument können Sie getrost unbeachtet lassen. Ein Schuh, der nur mit minimalem Klebstoffeinsatz gebaut wurde und der nach jedem Tag des Tragens seine Ruhepause zum Auslüften bekommt, wird kein spürbar schlechteres Schuhklima bieten, wenn er unterhalb der Laufsohle eine Wasserdampfbarriere hat. Jeder Schuh mit Gummi- oder Kreppsohle müsste sonst eine negative Beeinträchtigung des Schuhklimas zeigen. Neben dem Oberleder zur Feuchtigkeitsabgabe ist vor allem die Brandsohle für die Speicherung der Feuchtigkeit elementar. Wenn diese keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann, wird zunächst die Ausballung und erst im Anschluss daran die Lauf- oder Zwischensohle zur Feuchtigkeitsaufnahme wichtig. Danach würde erst der Verdampfungsprozess über die Sohlenoberfläche an Bedeutung gewinnen.

Viele Träger rahmengenähten Schuhwerks haben ein oder zwei Paar mit zusätzlicher Schutzsohle, die sie bei entsprechender Witterung bevorzugt tragen. Ein Beispiel, dem all jene Schuhträger folgen sollten, die schon ein paar edle Schuhe mit ungeschützten Ledersohlen besitzen. Schwergewichtige Männer, die viel draußen unterwegs sind, haben oft keine andere Möglichkeit ihren Sohlen etwas Dauerhaftigkeit zu verleihen, als eine Qualitätsschutzsohle ankleben zu lassen. Natürlich bietet eine hochwertige dünne Gummischutzsohle im Vergleich zur Ledersohle auch allen anderen Trägern eine bessere Haltbarkeit und eine geringere Rutschgefahr bei nassen Untergründen.

Allerdings müssen Sie sich über eines im Klaren sein: Die Garantie erlischt bei allen hochwertigen Schuhen, egal von welchem Hersteller, sofort durch solche Eingriffe. Und manche Produzenten, wie zum Beispiel Barker, weigern sich explizit solcherart veränderte Schuhe zur Runderneuerung (siehe den Abschnitt Restaurieren statt Reparieren weiter unten) überhaupt anzunehmen. Wenn Sie derartiges von vorneherein ausschließen wollen, sollten Sie die Schutzsohlen vor dem Einschicken der Schuhe an die Fabrik Abschleifen lassen.

Um die Neubesohlung von Schuhen mit stark abgelaufenen Ledersohlen hinauszuzögern, lassen Sie sich ein paar Schutzsohlen anbringen.

Sollten Sie keine nachträglichen Schutzsohlen angebracht haben, ist das auch nicht weiter schlimm. Was die Naht Ihrer Ledersohlen anbelangt, darum brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Selbst wenn diese komplett durchgelaufen ist, passiert dem Schuh nichts. Auch nasse Untergründe schaden guten Ledersohlen im Normalfall nicht, vorausgesetzt sie haben anschließend genügend Zeit zum Trocknen. Und dass die Feuchtigkeit durch die Ledersohlen hindurch in den Schuh eindringt, ist ebenso ausgeschlossen.

Wenn Ihre Sohlen ohnehin wieder eine kleine Sohlenölkur gebrauchen können, sollten Sie die Gelegenheit der feuchten Sohlen nutzen und sie, noch im feuchten Zustand, einölen. Das bringt das Wasser schneller aus den Sohlen heraus. Einzelheiten zur Ledersohlenpflege erfahren Sie später in einem eigenen Abschnitt zu diesem Thema. Wichtig für die geplante Anbringung von Wetterschutzsohlen: Ölen Sie die Sohle vorher nicht ein, sonst kann der Klebstoff die dünne Halbsohle nicht richtig halten. Überlegen Sie sich diese Anbringung also rechtzeitig. Laufen Sie die neuen Sohlen ein wenig ein und lassen Sie dann sogleich die zusätzliche Gummischicht applizieren.

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