DRÜCKENDE ODER ZU ENGE SCHUHE

Sollten Sie Schuhe haben, die an einer Stelle noch drücken, kann der Schuster nur diese Stelle weichen und weiten. Auch spezielle Problemzonen innerhalb einer größeren Fläche kann ihr Schuhmacher gezielt behandeln. Fragen Sie ihn. Man sollte die Schuhe immer am richtigen Ort ausdehnen. Es hat keinen Sinn, die Schuhe über den Ballen auszuweiten, wenn die Zehenpartie zu eng ist. Ein guter Schuhmacher wird deshalb zusammen mit dem Kunden mit Kreide jene Stelle anzeichnen, die ausgeweitet werden soll.
Sind die Schuhe insgesamt zu schmal, kann er sie (in gewissen Grenzen) dehnen. Meiden Sie diesen zusätzlichen Eingriff, indem Sie schon im Geschäft Schuhe in passender Weite kaufen. Nahezu alle Hersteller guten Schuhwerks bieten Modelle in verschiedenen Weiten an. Sollten Ihre Schuhe aber zu eng sein, zögern Sie um Ihrer Fußgesundheit willen nicht mit der Dehnprozedur. Auch wenn die Belastung für das – bei guten Schuhen beim Zwicken theoretisch ja bereits ausgedehnte – Schaftleder hoch ist, bedeutet das nicht, dass die Schuhe Ihnen deshalb früher den Dienst versagen.
Der Schuhmacher hat verschiedene Möglichkeiten, die physikalische Dehnung chemisch zu unterstützen. Für den Kunden und seine Schuhe am unbedenklichsten ist der Einsatz von Alkohol, der auf die entsprechenden Stellen aufgesprüht wird. Soll es schneller gehen (Kostenersparnis) oder muss extrem gedehnt werden, greift der Schuster vermutlich auf Lederdehner zurück, die mit anionischen Emulgatoren und Fetten den Widerstand des Leders an der betreffenden Stelle im Wortsinn erweichen. Das hat leider zur Folge, dass das Leder dort lappig wird und chemische Stoffe aufnimmt, die ganz sicher nicht für einen Hautkontakt gedacht sind.
Wer hier hundertprozentige Klarheit will, dem ist deshalb auch Zurückhaltung mit Mitteln aus dem Schuhpflegebedarf geboten. Über die Inhaltsstoffe im Einzelnen schweigt man sich in der Regel aus und die Auskünfte auf der Verpackung sind unzureichend.
Aus natürlichen Stoffen besteht das Schuhreinigungsmittel der Firma Leder-Fein und sollte für diesen Zweck in einer 1:1 Verdünnung aufgesprüht werden. Der alternative Einsatz von Alkohol (Isopropanol, Butylglycol) beziehungsweise reinem Spiritus (hartnäckiger Geruch) ist ebenfalls unbedenklich. Oder mischen Sie Isopropanol mit destilliertem Wasser im Verhältnis 1:10. Die Anwendung ist simpel: Das jeweilige Mittel immer von innen auf die betreffende Stelle sprühen oder tupfen, ohne das Leder zu durchnässen und nachdem Sie sich von der Verträglichkeit des Hilfsmittel im Futterbereich überzeugt haben. Anschließend den Schuh anziehen und umherlaufen. Wenn Sie das Oberleder an der betreffenden Stelle zusätzlich von außen mit Wasser anfeuchten, ist der Effekt stärker.
Streifen Sie einen, mit einem der oben genannten Mittel stark befeuchteten Wollstrumpf über den Schuhspanner und lassen Sie ihn einen Tag im Schuh. Dann tragen Sie den Schuh eine Zeit lang, um ihm die neue, druckfreie Form zu geben.
Manchmal reicht es auch schon aus, warmes Wasser in den Schuh zu füllen und etwa eine Minute einziehen zu lassen, um es dann auszukippen und den nassen Schuh anschließend so lange zu tragen, bis er weitgehend trocken ist. Das Wasser sollte nicht heiß sein, weil sich sonst das Gemband lösen oder thermoplastische Kappen sich verformen könnten. Die bekannte Soldatenvariante mit Urin geht natürlich auch, wird die meisten jedoch weniger begeistern. Neben Manufactum bietet Originalproduzent Dunkelman, der englische Spezialist für Schuhspanner, unter der Markenbezeichnung Dasco mechanische Schuhdehner, die mit zusätzlichen, verschieden positionierbaren „Ausbuchtungen“ versehen werden können. Diese Modelle sind für den Privatanwender gedacht, in verschiedenen Grundformen, Materialien und als Einweg- und Zweiwegdehner für verschiedene Schuhgrößen erhältlich. Passionierte Schaftstiefelträger finden sogar einen Stiefelschaftdehner bei Dasco.
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