WIE ERKENNT MAN DIE QUALITÄT EINES SCHUHS?

„Kein Mensch kauft heute mehr Schuhe, um seine Füße warm und trocken zu halten, sondern wegen des Gefühls, das er mit diesen Schuhen verbindet: Man fühlt sich darin männlich, weiblich, naturverbunden und geländesicher, ‚anders‘, kultiviert, jung, elegant oder ‚in‘. Der Kauf von Schuhen ist zum ‚Gefühlserlebnis‘ geworden. Heutzutage verkaufen wir eher eine Gefühlswelt als einfach nur Schuhe.“ (Francis C. Rooney)
Für den unerfahrenen Laien ist die Qualität eines Schuhs leider nicht ohne weiteres und zweifelsfrei, ja eigentlich überhaupt nicht erkenntlich. Oder können Sie durch Betrachten und Befühlen des Oberleders von zwei fabrikneuen Schuhen sagen, welches Leder nach fünf Jahren intensiver Nutzung besser aussieht? Wenn alle Hersteller nur Spitzenqualität verarbeiten würden, was sie unisono behaupten, dann gäbe es diese Unterschiede auch nicht; doch die Realität sieht anders aus. Auch Stichworte wie beispielsweise „rahmengenäht“ sagen noch nicht unbedingt etwas über die Gesamtqualität der Schuhe aus. Auch bei rahmengenähten Schuhen gibt es gewaltige Qualitätsunterschiede.
Das beginnt schon mit der Art, wie die Schuhe rahmengenäht sind: Wurde mit einem gepechten Faden genäht und damit gewährleistet, dass die Nahtlöcher abgedichtet sind, so dass im Fall einer teilweisen Beschädigung der Naht die restliche Naht dank des Klebeeffekts des Pechs noch hält? Oder wurde schlicht mit einem trockenen, eventuell nur gewachsten Faden genäht? Und wie wurde der Faden hergestellt? Handelt es sich bei dem Faden um einen gedrehten Faden, der sich gut in das Material (Rahmen auf der einen, Laufsohle auf der anderen Seite) hineinzieht und geschützt liegt? Denn verwendet der Rahmennäher einen geflochtenen Faden, so bleibt dieser aufgrund der Dehnbarkeit des Geflechts aufliegend und ist den Gefahren des Alltagsgebrauchs ausgesetzt, zudem nimmt er das Pech nicht so gut an. Da dies nicht alle Hersteller wissen, kaufen diese oft die Fäden nach Preis ein, so dass in der Praxis beide Fadentypen vorkommen. Und dann erst der Rahmen selbst: Ein chromgegerbter Rahmen ist auf Dauer wesentlich haltbarer als ein vegetabil gegerbter. Ganz zu schweigen von den, Schuhen, deren Rahmen aus eingefärbtem Kunststoff statt aus Leder besteht. Das ist auch auf den zweiten Blick für einen Laien nicht erkennbar.
Höherwertige Schuhe haben oft eine grubengegerbte Brandsohle, andere Produzenten verwenden lediglich eine fassgegerbte was optisch nicht zu unterscheiden ist. Sehr wohl aber während des Tragens: So haben Sie bei einer fassgegerbten Innensohle bereits feuchte Füße, während Sie bei einer grubengegerbten noch nicht einmal merken, dass es ungewöhnlich warm ist. Und wer verrät Ihnen, was als Füllmaterial (Ausballung) zwischen den Sohlen steckt – Filz beziehungsweise Kork oder stattdessen billige Pappendeckel beziehungsweise Gummischrot oder gar Sägespäne? Und wie dick ist diese Schicht? Diese Unterschiede kristallisieren sich erst heraus, nachdem die Schuhe gut eingelaufen sind. Bei den besseren Schuhen ertasten Sie dann ein richtig eingelaufenes Fußbett und bei den anderen Schuhen können Sie es nur erahnen.
An den Feinheiten erkennen Sie, ob ein Hersteller sorgsam gearbeitet hat und die Schuhe ihren Preis auch wert sind. Mühe gibt sich ein Produzent, wenn er bestrebt ist, einen guten Schuh zu bauen, und von seinem Produkt überzeugt ist. Es ist beinahe ausgeschlossen, dass jemand, der billige Ersatzstoffe verarbeitet und ganze Arbeitsgänge abkürzt, besonders viel Mühe bei den kleinen Dingen aufwendet.
Für den Laien wird die Verarbeitungsqualität manchmal an den Enden des Einstechrahmens deutlich. Unerheblich, ob es sich um einen zwiegenähten oder rahmengenähten Schuh handelt – hier offenbart sich, ob schluderig, schlicht funktional oder im Streben nach Perfektion gearbeitet wurde. Bei gut und sehr gut verarbeiteten Schuhen sind die Enden des Rahmens nur mit Mühe überhaupt erkennbar. Wenn es sich um einen 360-Grad-Rahmen handelt, werden beide Enden so ausgedünnt und übereinander gelegt, dass die Rahmenstärke gleich bleibt und diese Stelle nach dem Finishing kaum mehr auszumachen ist. Bei den kürzeren Rahmen, die von Absatzkante zu Absatzkante reichen, wird genauso vorgegangen, nur dass hier der Rahmen auf dem Keder unsichtbar ausläuft. Nach dem gleichen Prinzip können auch die Enden der vollständig außen aufliegenden Rahmen von zwiegenähten Schuhen verschwinden und den Eindruck eines Endlosrahmens erwecken. Die Rahmennaht, beziehungsweise die Nähte beim Zwiegenähten, werden bei Premiumschuhen am Ende auch exakt geführt und die Fäden von Hand verknotet und abgeschnitten. Nach dem Finish ist das Fadenende dann unauffindbar.
Je nach Fertigungsaufwand sind die Enden des Einstechrahmens, wie beschrieben unsichtbar, oder es klafft im schludrigsten Fall eine deutlich sichtbare Lücke zwischen ihnen. Schuhe, die so zusammengeschustert wurden, sollten jedoch einen deutlich niedrigeren Verkaufspreis haben, als die zuvor beschriebenen Oberklasseschuhe. Denn die Verarbeitungsqualität ist dann auch an den nicht einsehbaren Stellen erwartungsgemäß mindestens ebenso „einfach“.
Auch die genaue Betrachtung des Absatzes lohnt. Denn die Herstellung eines tadellosen Absatzes ist eine der schwierigsten Aufgaben für den Schuhmacher. Das erklärt sich daraus, dass der Absatz ja nicht auf einer ebenen Fläche Schicht für Schicht aufgebaut wird, sondern auf der einseitig gewölbten Fersenauftrittsfläche. Allein der Stand des Rahmengenähten auf einer geraden Unterlage erzählt eine ganze Geschichte über den Schuh und das Know-how seines Herstellers. Denn der Absatz muss flächig aufliegen. Nur die vordere Absatzkante darf eventuell ein klein wenig hochstehen (zusätzliche Dämpfung). Wenn Sie den Absatz inspizieren, erkennen Sie, ob er wie ein Puzzle aus geraden und keilförmigen Schichten zusammengeschustert wurde oder stattdessen wenige gerade Lagen erkennbar sind. Weniger versierte Hersteller schleifen den Absatz sogar zum Schluss passend, damit er halbwegs gerade aufsteht und den Schuh „in Stand“ bringt, wie es der Fachmann nennt. Auch das ist, von der Seite betrachtet, gut an der veränderten Schichtdicke zu erkennen.
Selbst Fachleute können häufig erst nachdem sie den Schuh auseinander genommen und seine Verarbeitung auch an versteckten Stellen begutachtet haben, genau sagen, was bei der einen Marke gut und beim anderen Fabrikat schlecht ist. Wenn also selbst der Profi den Schuhen von außen nicht immer ansehen kann, welchen Wert sie wirklich haben, wie kann man das dann von dem Endverbraucher erwarten? Und Profis nehmen Details wahr, die selbst einem schuherfahrenen und kundigen Freund edler Schuhe nicht auffallen. Das sind vermeintliche Kleinigkeiten, wie die Stärke des verwendeten Rahmens, die nicht zum restlichen Bodenbau passt (und Bände spricht über das fachliche Wissen des Herstellers …). Oder die Doppelnaht, die einfach auf dem Rahmen aufliegt und nicht eingelassen oder versenkt wurde. Aus vielen dieser kleinen Puzzleteilchen setzt sich vor dem geistigen Auge des erfahrenen Fachmanns schnell ein Gesamtbild zusammen. Kommt dann noch der Name des Herstellers hinzu, sind für den Insider alle Fragen geklärt.
Wenn die Schuhe im Geschäft zum Verkauf bereit stehen, ist es dennoch vielfach nicht möglich, bei zwei preislich vergleichbaren Paaren von unterschiedlichen Herstellern zu erkennen, dass ein Paar sehr sorgfältig auch in den nicht sichtbaren Details gearbeitet wurde, das andere hingegen von außen betrachtet zwar Qualität vermuten lässt, in Wirklichkeit aber so billig wie möglich „zusammengeschustert“ wurde. So werden dem Kunden unter Umständen Schuhe zu einem Preis verkauft, der völlig unangemessen ist.
Hier hat der Fachhandel die Chance sich zu profilieren. Wer kompetent beraten wird, entwickelt Vertrauen zum Fachpersonal und kommt als zufriedener Kunde bestimmt wieder. Wo hochwertiges Schuhwerk angeboten wird, sollte man auch fachkundiges Personal erwarten dürfen. Doch leider sieht die Wirklichkeit vielerorts anders aus. Auf sich selbst gestellt, bleibt die entscheidende Frage: Woran können Sie sich als normaler Schuhinteressierter beim Schuhkauf orientieren?
Vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Designerware, bei der Sie einen guten Teil des Preises für den Namen bezahlen, ist neben dem Namen des Produzenten der Ladenpreis immer noch das eindeutigste Qualitätsmerkmal für den Nicht-Fachmann. Wobei ein Mindestverkaufspreis für die gewünschte Qualität bürgt. Wesentlich teurere Schuhe, aus dem gleichen Material, sind qualitativ häufig nicht besser, sondern nur mit mehr Handarbeit und einem dadurch bedingten größeren Zeitaufwand hergestellt.
Bei Schuhen hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Entwicklung stattgefunden, die für den Konsumenten nicht von Vorteil ist. Kauften Sie früher einen „guten“ Schuh, so war dieser auch wirklich gut, und zwar in jeder Hinsicht. Heute bekommen Sie (durchaus in Relation zum damaligen Geldwert) anstelle eines „guten“ einen eher „mittelmäßigen“ Schuh. Was früher unter „gut“ verstanden wurde, finden Sie heute leider nur in der Luxusebene. Es gibt also durchaus noch richtig gute Schuhe, allerdings sind diese heutzutage nur mit einem saftigen „Luxusaufschlag“ erhältlich. Und die Schuhe, die man früher als absolute Topschuhe ansah, selbstverständlich in reiner Handarbeit gefertigt, werden Sie heute schwerlich noch finden, es sei denn, Sie besuchen ein Schuhmuseum.
Dennoch, so räumen die Autoren ein, gibt es Möglichkeiten, die auch einem Mann ein positives Einkaufserlebnis vermitteln. Wie man den Schuhkauf angeht, damit er nicht mehr nur ein lästiges Muss ist,
Als die Industrialisierung die Schuhmacher von ihrer angestammten Arbeit zu verdrängen begann, wurden immer wieder Wettbewerbe veranstaltet, um die Überlegenheit der handwerklichen Fähigkeiten gegenüber der maschinellen Fertigung zu demonstrieren. In Philadelphia wurden für einen solchen Anlass ein Paar Stiefel gefertigt, die 25 handgenähte Stiche auf einen Zentimeter Nahtlänge aufwiesen! Die hierfür verwendete Ahle soll so fein gewesen sein, dass sie, wenn sie versehentlich in die Hand gestochen wurde, weder Schmerzen verursachte noch Blut floss. Und als Nadel diente ein menschliches Haar. Selbst heutzutage mit einer modernen Maschine ist es nicht möglich, mehr als 12 Stiche auf einen Zentimeter Länge vorzunehmen, ohne das Leder so zu perforieren, dass es reißt. Noch ein Vergleichswert: Wenn Sie die Nahtstiche eines Schaftes von einem aktuellen Schuh mit einem Verkaufspreis von 400 bis 450 Euro zählen, werden Sie auf einem Zentimeter Länge etwa sechs Stiche bemerken. Das ist der so genannte Normalstich mit 5 bis 7 Stichen je Zentimeter Nahtstrecke. [5.4] Der Kleinstich, der mit sehr dünnem Nähfaden und entsprechender Nadel ausgeführt wird, hat üblicherweise etwa 7 bis 10 Stiche pro Zentimeter. Die so genannte italienische Naht wird sogar mit 10 bis 14 Stichen genäht.
Ein wirklicher Qualitätskonfektionsschuh wird auch heute noch weitgehend von Hand gefertigt, wobei Maschinen zur Unterstützung der meisten Arbeitsprozesse herangezogen werden. Für die je nach Produzent, Schuhmodell und Zählweise bis über 200 Arbeitsschritte (und bis zu 180 Spezialmaschinen), die ein Schuh bis zu seiner Fertigstellung erfordert, benötigen entsprechend viel Arbeitszeit und ausgebildete Fachleute. Das eine wie das andere kostet Geld. Und auch die erstklassigen Materialien, aus denen der Schuh gefertigt wird, haben ihren Preis.
Am neutralen Beispiel der Kostenaufschlüsselung eines Sportschuhs sei dies verdeutlicht. Der Verkaufspreis beträgt rund 100 Euro. Davon bekommt der Händler 50 Euro, der Hersteller 42 Euro (von denen er 11 Euro wieder in die Forschung und Entwicklung steckt). 8 Euro werden für das Material benötigt. Und ganze 0,36 Euro betragen die (fernöstlichen) Lohnkosten.
Übertragen auf Premiumschuhe ist folglich ist ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn vermeintliche Schnäppchen locken, denn Hersteller und Händler behalten ihre Marge. Abgesehen von dem dann verarbeiteten billigeren Leder, welches oft unter anderen Umwelt- und Arbeitsschutz- (Kinderarbeit?) und Gesundheitsauflagen irgendwo im fernen Ausland produziert wurde, wird häufig an nicht einsehbaren Stellen gespart. Dass Absätze innen mit Pappe gefüllt sind oder der ganze Absatz aus Kunststoff besteht (außen minimal profiliert, dass es nach einzelnen Lederschichten ausschaut, innen weitgehend hohl, um Gewicht und Kosten zu sparen), der Keder längst nicht mehr aus Leder sondern aus Kunststoff hergestellt wurde, oder unterhalb der Innensohle Pappe die hochwertige Korkausballung ersetzt, sind noch relativ harmlose, die Produktionskosten und damit auch den Verkaufspreis senkende Maßnahmen.
Befremdlicher sind da schon auf den Rahmen aufgeklebte Zierrahmen (mitsamt vorgetäuschter Naht, die allerdings nur durch den Rahmen selbst geht). Wozu wird ein Pseudorahmen (mit Naht) auf einen echten Rahmen (ohne Doppelnaht) geklebt? Zwei Einsparungen bei der Produktion können damit vertuscht werden: Zum einen, dass die Sohle nicht angenäht, sondern nur aufgeklebt ist, zum andern schaut die billige, sehr dünne Sohle dadurch dicker aus, als sie in Wirklichkeit ist. Bei einigen Herstellern ist das leider durchaus üblich. Die vermeintlich dicke Sohle soll schwergewichtige Kunden ködern, weil die eine normale Ledersohle schnell runterlaufen (wirksame Gegenmaßnahmen finden Sie im Pflegekapitel). Und solche Schuhe werden selbstverständlich zum normalen Preis eines Rahmengenähten angeboten. Ein anderer beliebter Trick sind Laufsohlen, die aus zweier dünnen Lederschichten bestehen. Die eine Schicht ist billiges, lockeres Material aus der Bauchhaut, die sichtbare Schicht ist ein Sohlleder aus dem Kernteil der Haut geschnitten. Anschließend wird der Sohlenrand so bearbeitet, dass die beiden Schichten wie aus einem Stück erscheinen. Doch es geht noch heuchlerischer: Vermeintlich rahmengenähte Schuhe haben vielleicht nur Ziernähte, die eine echte doppelte Rahmennaht vortäuschen sollen. Damit die Täuschung perfekt wird, kann der Hersteller auch eine billige Lederlaufsohle mit werksseitig bereits integrierter Naht ankleben, dann sieht der Kunde auch auf der Unterseite des Schuhs eine vermeintliche Doppelnaht. Solcherlei Sparsamkeit bei der Herstellung fällt dem Laien beim Kauf nicht gleich auf. Das merkt er erst später, wenn der Schuh langsam, aber sicher im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Leim geht.
Apropos Leim: Sie können mit sanfter Gewalt das Oberleder mit den Daumen vom Rand des Schuhs (also dem Rahmen) wegdrücken. Ist der Schuh wirklich rahmen- oder durchgenäht, können Sie manchmal die einzelnen Fäden der Naht erkennen. [5.5] Sehen Sie stattdessen eine sich unter dem Druck dehnende „Klebenaht“, haben Sie es mit der Kategorie „Blender“ zu tun. Können Sie weder das eine noch das andere erspähen, ist entweder der Daumendruck zu schwach oder die Brandsohle ist gut unterrangiert und die Einstechnaht sitzt sehr stramm. Doch ein solchermaßen gefertigter Schuh hat dann vermutlich auch eine sehr gute Abstammung.
Es gibt noch eine andere Methode, um einen rahmengenähten Schuh von einem einfach durchgenähten oder einem geklebten Fließbandprodukt zu unterscheiden. Drücken Sie das Oberleder am Rand oberhalb des Schuhbodens so weit wie möglich herunter. Bildet der Schaft hier eine deutliche Stufe (etwas mehr als einen halben Zentimeter) zum Rahmen, ist dies ein Indiz für ein rahmengenähtes Qualitätsprodukt. Bei den anderen Schuhtypen lässt sich das Oberleder bis auf Höhe der Brandsohle oder des Scheinrahmens herunterdrücken.
Wenn in diesem Buch die geklebten Schuhe als minderwertig im Vergleich zu Rahmengenähten abgestempelt werden, so gilt dies für 99,9 Prozent aller geklebten Schuhe. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Hochwertige, besonders elegante Abendschuhe werden unter Umständen mit einem geklebten Schuhboden ausgestattet, weil dann noch dünnere und flexiblere Sohlen verwendet werden können, die zugleich durch den fehlenden umlaufenden Rahmen dem Schuh ein schlankeres Erscheinungsbild geben.
Bei sehr hochwertigen und eleganten Abendschuhen wird diese ästhetische Optik ohne Klebung nur durch handwerkliche Raffinesse erreicht. Hierzu wird die Brandsohle weiter unterrangiert, so dass die Risslippe oder das Gemband wesentlich weiter vom Innensohlenrand entfernt liegen. Hier wird zunächst wie üblich der Schaft mit dem Rahmen angenäht (Einstechnaht). Der in passender Breite vorbereitete Rahmen wird dann in eine Position gebogen, dass die zuvor auf passende Größe zugeschnittene Laufsohle von einem geschickten Schuhmacher mit der Maschine aufgedoppelt werden kann. Allerdings geht das nicht mit jeder x-beliebigen Doppelmaschine. Im Endergebnis haben Sie einen eleganten Schuh, dessen dünne Sohle gewöhnlich sogar etwas kleiner als die Grundfläche des Schafts ist. Der Vorteil gegenüber dem geklebten höherwertigen Schuh ist die bessere Passformbeständigkeit, eine bessere Reparierbarkeit und – zumindest theoretisch - die höhere Atmungsaktivität.
Eine weitere Bodenbefestigungstechnik für Abendschuhe ist das Silhou-Welt-Verfahren. Dabei wird zunächst wieder der Schaft mit dem Rahmen an die Brandsohle genäht (Einstechnaht). Anschließend wird die Laufsohle an den Rahmen geklebt und dieser dann bis an den Schaft heran abgefräst. Hierbei besteht allerdings die Gefahr, dass sich die Laufsohle mit der Zeit löst, da sie ja nur an einer relativ kleinen Fläche klebt.
Neben dem Verkaufspreis ist das mit Abstand sicherste Merkmal, an dem Sie einen gut gearbeiteten Schuh ausmachen können, der Name des Herstellers. Es gibt eine überschaubare Anzahl bekannter Konfektionsschuh-Produzenten aus England, Frankreich, Italien, Österreich, Portugal, Spanien, Ungarn, Deutschland, den Niederlanden und den USA, die für Ihre Qualitätsprodukte bekannt sind. Diese Unternehmen existieren überwiegend seit Jahrzehnten, teils seit über 100 Jahren und haben während dieser Zeit das Schuhmacherhandwerk von Generation zu Generation weitergetragen. Im Verlaufe dieser Zeit haben sie sich einen meist weit über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus bekannten Namen erworben.
Deshalb ist der Name des Herstellers das zuverlässigste Indiz für die Qualität und ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Schuhe werden folglich nach dem Namen Ihres Herstellers beurteilt.
Wenn Sie einen guten Draht zu Ihrem Reparatur-Schuhmacher haben und dieser ständig viele gute und rahmengenähte Schuhe repariert, fragen Sie ihn um Rat. Ein solcher Profi, wovon es leider nur noch sehr wenige gibt, hat die Schuhe vieler Marken schon auseinandergenommen und wieder in Stand gesetzt. Er kennt folglich deren Bauweisen, die verwendeten Materialien und die Sorgfalt der Herstellung. Doch Obacht, dass Sie nicht an einen Schwätzer geraten, der keine Ahnung hat und sich nur wichtig machen will. Wenn Sie selbst keinen Vollprofi kennen, fragen Sie nach einem solchen im Freundeskreis oder in Geschäften, die Topschuhe verkaufen.
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