WAS KENNZEICHNET EIN PAAR WIRKLICH GUTE SCHUHE?

Wenn Sie die Absicht haben, ein Paar wirklich gute Schuhe zu kaufen, sollten Sie sich vorher darüber im Klaren sein, was dieses „wirklich gut“ für Sie bedeutet. Folgende Punkte sollten Sie hierbei beachten:
- Passform
- Materialqualität
- Verarbeitungsqualität und Machart (rahmengenäht, durchgenäht)
- Servicequalität des Herstellers (und des Händlers)
- Modellvielfalt, beziehungsweise das von Ihnen gesuchte Modell
- Modellschnitt eher modern oder unverändert klassisch
- Finishfinessen
- Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein Paar gute Schuhe kennzeichnet also die einwandfreie Passform sowie hochwertige Qualität verbunden mit einem exzellenten Erscheinungsbild zu einem angemessenen Preis.
Hinsichtlich der Modellwahl und des –schnitts sind individuelle Vorstellungen ausschlaggebend. Das können nur Sie alleine mit Ihrem persönlichen Geschmacksempfinden entscheiden. Kategorien wie richtig oder falsch, besser oder schlechter greifen in diesem Fall nicht. Je nach Verwendungszweck und Persönlichkeit ist ein Schuh im Einzelfall eher geeignet oder ungeeignet. Im Kapitel über Etikette finden Sie zu diesem Themenkomplex weitergehende Hinweise.
Für die Beurteilung der anderen Kriterien, steht Ihnen dieses Buch hilfreich zur Seite:
Praktische Ratschläge, wie Sie die für Ihre Füße optimal passenden Schuhe ermitteln, finden Sie in diesem Kapitel. Ebenso wird die Qualität der Materialien, die Verarbeitungsqualität und die daraus resultierende Gesamtqualität der Schuhe verschiedener Hersteller in diesem Kapitel näher beleuchtet.
In Anbetracht der Finishfinessen kommt es sehr auf Ihren individuellen Anspruch an. Wollen Sie nur Schuhe, Hauptsache rahmengenähte – oder wünschen Sie möglichst perfekt gearbeitete, auch im Detail schöne Modelle? Sicher ist es für die Funktion des Schuhs weitgehend unerheblich, ob die Laufsohlennaht im Rahmen versenkt und dieser zusätzlich verdichtet und verziert wurde. Auch ein verrundetes Sohlengelenk bedeutet nicht zwangsläufig einen höheren Komfort und eine bessere Passform. Und doch sind es gerade solche Details, die in ihrer Summe einen guten Schuh zu einem noch besseren oder herausragenden machen. Gerade bei den kultivierten Dingen unseres zivilisierten Lebens existieren neben der reinen Funktion und Qualität noch andere Beurteilungskriterien – auch und gerade bei Gebrauchsgegenständen und Kleidungsstücken, wie Schuhen. Dinge, mit denen wir uns alltäglich umgeben, sollen nicht nur eine Funktion haben, sondern darüber hinaus auch „etwas mehr“. Dieses „Mehr“ mag für den einen in der sinnlichen Form des Schuhs liegen, für den anderen im raffinierten Farbenspiel des Oberleders. Je mehr sich ein Mann mit Schuhen auskennt, umso geschärfter sind seine Sinne für derartige Feinheiten.
Und doch scheinen handwerkliche Feinheiten vom Endverbraucher in den letzten Jahren immer weniger honoriert zu werden. Der Besitzer von Quarvif, einer alteingesessenen italienischen Marke für rahmengenähtes Schuhwerk, hat hierzu die Probe aufs Exempel gemacht, indem er testweise ein paar Arbeitsgänge wegfallen ließ, die die Schuhe im Detail hochwertiger und schöner machten. Im Ergebnis verkaufte er genauso viele Schuhe wie zuvor.
Weder die Händler noch die Endkunden schienen auf die fehlenden Details Wert zu legen, ja sie schienen ihr Fehlen nicht einmal zu bemerken. Diesen Eindruck bestätigen alle befragten Profis. Fachleute verzeichnen in den letzten Jahren einen zunehmenden Trend hin zum gröber, ja schon grob gearbeiteten Rahmenschuh, der deshalb allerdings nicht günstiger im Preis geworden ist.
Schuhkenner spüren förmlich das Desinteresse einiger Hersteller am eigentlichen Produkt, dem Schuh. Im Vordergrund scheinen für diese Firmen nur Umsatz und Gewinn zu stehen. [5.1] Das beklagen sowohl versierte, unabhängige Fachleute, wie auch kundige Schuhfreunde. Die Mehrheit, der überwiegend von wenig Sachkenntnis getrübten Endverbraucher, scheint sich hingegen nur für das Etikett „rahmengenäht“ zu interessieren und das zu einem möglichst geringen Ladenpreis. – Wohlgemerkt, es geht hierbei nicht um Feinheiten, wie man sie bei sehr guten Maßschuhen erwarten darf. Dort, im Bereich des perfektionierten Schuhbaus, werden Details wie die Korrelation zwischen Schuhgröße und sichtbare Fadenstärke der Schaftnähte, oder auch der mit der Schuhgröße sich ändernde Durchmesser der Verzierungslöcher und des Broguingmusters beachtet. Schließlich wirkt die Verzierung eines Schuhs in Größe 47, übertragen auf die wesentlich kleinere Fläche eines Schuhs in Größe 41. gänzlich anders.
So wundert es auch nicht, dass anspruchsvolle Schuhkunden nicht in x-beliebigen Schuhgeschäften einkaufen. Diese anspruchsvolle Klientel geht dort Schuhe kaufen, wo der Inhaber einen ebenso hohen Anspruch an die von ihm vertretenen Marken stellt.
Die Servicequalität des Herstellers können Sie im Geschäft erfragen und mithilfe der Tabelle Angaben der Hersteller zu Lieferzeiten, Arten und Preisen von Sonderanfertigungen im Kapitel über Schuhmodelle sowie den Angaben über den Refurbishment-Service der Produzenten im Pflegekapitel beurteilen. Den Service des Händlers erfahren Sie direkt während Ihres Aufenthaltes im Geschäft anhand der Art, wie Sie bedient werden. Hierzu finden Sie viele Anhaltspunkte und Hinweise in diesem Kapitel. Darüber hinaus gehende Fragen können Sie vor Ort klären: Wie sind die Umtauschrichtlinien? Wie lange dauern Reparaturen? Nimmt das Geschäft kleinere Reparaturen oder Änderungen selbst an? Kann man Ihnen einen guten Schuhmacher empfehlen? Werden Schuhe für größere Reparaturen (Neubesohlung) an den Hersteller gesandt? Weist man Sie kompetent auf die richtige Schuhpflege hin? Ist das Pflegemittelsortiment gut bestückt – oder sind alle Mittel vom gleichen Hersteller?
Das Preis-Leistungs-Verhältnis schließlich, lässt sich größtenteils aus den in diesem Kapitel gegebenen Informationen und vielen Hinweisen aus den anderen Abschnitten beurteilen. Hierbei spielt freilich auch wieder eine subjektive Komponente in diese Beurteilung mit hinein. Sie werden aber mit dem Wissen aus diesem Buch und Ihren persönlichen Präferenzen, selbst in der Lage sein, die Relation zwischen dem verlangten Preis und der dafür gebotenen Leistung fundiert zu beurteilen.
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