LEDERSOHLE

Ob eine hochwertige Lederlaufsohle überhaupt einer Pflege bedarf, darüber wird in der Fachwelt gestritten. Als Hersteller von Laufsohlen erster Güte vertritt die Trierer Firma Rendenbach den Standpunkt, dass eine altgrubengegerbte Ledersohle ihr gesamtes Leben lang nicht gepflegt werden müsse. Und eine zusätzliche Behandlung durch Öl würde die Sohle auf feuchtem Untergrund nur rutschiger machen. Die monatelange Gerbung würde als Schutz vollkommen ausreichen.
Hinsichtlich der Nässeresistenz ist das sicher richtig. In der Praxis zählen aber noch andere Kriterien. Die Sohle wird nämlich im Laufe der Monate durch den Gebrauch teilweise ausgelaugt und in der Folge trocken, unflexibler und spröde. Dann besteht die Gefahr, dass die Sohle aufgrund der ständigen Biegebelastung Risse bekommt und in der Folge gar bricht. Ein spezielles Sohlenöl schützt die Laufsohle also nicht nur gegen Nässe, sondern verhindert vor allem ein Austrocknen und hält das Sohlenleder auf Dauer biegeelastisch. Nicht zu häufig angewendet, wird die Ledersohlen durch diese Behandlung sogar resistenter gegen Abnutzung. Die Kehrseite der Medaille, und da hat Rendenbach völlig Recht, ist eine erhöhte Rutschgefahr auf nassen Böden.
Verwenden Sie kein beliebiges Lederöl für die Laufsohle. Es würde die Sohlen nur aufweichen und dadurch irgendwann wasserdurchlässig machen, was eine schnellere Abnutzung zur Folge hätte. Auch reines Leinöl, früher gerne für diesen Zweck genutzt, ist nicht optimal. Es macht die Sohlen zwar hart und widerstandsfähig gegen Nässe, gleichzeitig aber auch brüchig. Benutzen Sie für die Ledersohlen am besten ein gut zusammengesetztes Sohlenschutzmittel.
Das Mittel mehrfach dünn mit dem integrierten Schwämmchen auftragen und zwischendurch immer wieder abtrocknen lassen. Verteilt über mehere Mal Schuhputzen, nimmt die Sohle bei Regen weniger Feuchtigkeit auf, weil das Tonic mit seinen ladungsfreien Emulgatoren die Ladungen im Leder verschiebt. Aufgrund der geringeren Wasseraufnahme ist dann zugleich der Abrieb während des Nässekontakts geringer. Allerdings verbessert das Mittel nicht die Abriebfestigkeit an sich. Der Einsatz von Sohlentonic sollte etwa alle zwei bis drei Monate einmal erfolgen.
Frühestens nachdem die Sohlen neuer Schuhe eingelaufen und somit verdichtet und rau geworden sind, tragen Sie das Sohlenöl auf. Es ist sinnvoll beim ersten Mal die Ledersohle mehrfach hintereinander damit zu behandeln, bis sie richtig gesättigt ist und das Ledersohlenöl nicht mehr aufsaugt. Keine Sorge, das Mittel greift die Nähte nicht an und macht die Sohlen auch nicht schwammig. Selbst für eine spätere Neubesohlung ist das Öl kein Hindernis. Um Ledersohlen dauerhaft flexibel zu halten, reicht es, wenn Sie in der Folge alle paar Monate die Sohle mit ein wenig Öl einreiben. Kürzere Intervalle sind nur notwendig, wenn die Sohlen häufig Nässe ausgesetzt sind. Dank dieser Behandlung erhöht sich auch die Haltbarkeit. Und hinsichtlich der Wasserresistenz Ihrer Ledersohlen brauchen Sie sich sowieso keine Sorgen machen, solange Sie hochwertige Schuhe haben. Die dort zur Verwendung kommenden Sohlleder sind durch eine Grubengerbung, gegebenenfalls sogar durch eine Altgrubengerbung, optimal vorbehandelt. Natürlich wirkt das Ledersohlenöl auch hierbei noch verbessernd.
Sohlenschutzmittel sollen gut in das Leder einziehen. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass es nicht versehentlich mit dem Oberleder in Berührung kommt. Rauleder verklebt dadurch und wird dunkel, Glattleder bekommt häufig nicht mehr entfernbare Flecken und verliert an diesen Stellen seinen Glanz. Streichen Sie deshalb das Mittel nicht ganz bis zum Sohlenrand auf. Dorthin dringt es von selbst vor.
Und noch ein Warnhinweis: Legen Sie vor dem Aufbringen des Sohlenöls vorsichtshalber mehrere Lagen Zeitungspapier auf den Boden, um diesen zu schützen, weil Sie die sonst entstehenden Flecken auch mit Spezialmitteln aus manchen offenporigen Bodenfliesen nicht mehr herausbekommen.
Nach der Ölkur stellen Sie die Schuhe wie üblich auf den Sohlen ab, aber niemals zur Schuhspitze hin geneigt. Dort würde das Öl sich anfangs sammeln und in die Vorderkappe sowie über den Zwickeinschlag eventuell bis ins Oberleder vordringen. Neben den unweigerlichen Flecken kann die Schuhspitze dabei die Form verlieren und aufweichen.
Schwergewichtige Männer haben hin und wieder Probleme mit zu schnell abnutzenden Ledersohlen. Falls die normale Methode mit Ledersohlenöl keine ausreichende Standzeit der Laufsohle gewährt, gibt es noch einen Trick, der nach Auskunft der Firma Schuh Bertl aus München, sicher funktioniert: Besorgen Sie sich Vogelsand aus dem zoologischen Fachgeschäft. Dann ölen Sie Ihre Ledersohlen mit Ledersohlenöl [7.115] ein und streuen Vogelsand darüber. Ziehen sie die Schuhe an und treten sie den Vogelsand auf Straßenpflaster (Vorsicht auf anderen Böden mit eventuell öligen Hinterlassenschaften der Sohlen) in die obere Lederschicht der Sohle ein. Wiederholen Sie den Vorgang mehrfach. Im Ergebnis erhalten Sie eine geölte, das heißt gepflegte, rutschsichere und extrem abriebfeste Laufsohle. Parkett- und Marmorböden sollten Sie mit den in die Sohlen eingravierten Schleifpartikeln allerdings zukünftig meiden.
Vermeiden Sie es nasse, lohgegerbte Ledersohlen auf einem Metallrost trocknen zu lassen. Insbesondere Eisen ergibt in Verbindung mit dem Gerbstoff als chemisches Reaktionsprodukt Tinte und diese hinterlässt unschöne, nicht mehr entfernbare Flecken im Leder. Umgekehrt können unter die Schuhspitze genagelte Metallschutzplättchen bei Feuchtigkeit rosten. Eine untergelegte Zeitung verhindert in diesem Fall Folgeschäden.
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