GLÄNZEN UND POLIEREN

Lösemittelhaltige Emulsionscreme sollte vor dem Glanzbürsten mindestens 5 bis 10, besser noch 20 Minuten einwirken. Dann kann mit dem Glänzen begonnen werden. Der das Leder pflegende Ölanteil der Creme ist in dieser Zeit bereits in das Material gewandert, das Lösemittel verdunstet und der auf der Oberfläche verbliebene Wachspart soll nun Glanz bringen. Pflegewachs (Dosenware) braucht mindestens eine halbe Stunde, um halbwegs auf der Lederoberfläche auszuhärten, bevor die Schuhe blank gebürstet werden sollten. Werden die eingewachsten Schuhe schon vorher geglänzt, wird ein Großteil des Wachses wieder abgebürstet und die auf dem Schuh verbleibende Wachsschicht ist zu dünn, um dem Leder ausreichend Schutz zu geben. Wenn Sie es einrichten können, lassen die mit Wachspaste eingeriebenen Schuhe über Nacht stehen, bevor Sie sie zu Glanz bringen. Die Wachse können während dieser Zeit optimal aushärten, wodurch das Glänzen erleichtert und außerdem der Glanz dauerhafter wird. Solcherart gepflegte Schuhe lassen sich auch mehrfach in Sekundenschnelle zu neuem Glanz bürsten, ohne dass sie gleich komplett neu gepflegt werden müssten.
Glanzbürsten oder andere Poliermethoden sollten immer sorgfältig geschehen, weil hierdurch alle überschüssige Creme entfernt und das Wachs schmutzabweisend geglättet wird. Das ist nötig, damit das Leder atmen kann und neuer Staub sich nicht so schnell festsetzt. Gebürstet wird (unter Einbeziehung des Sohlengelenks) mit weit ausholenden Schwüngen ohne nennenswerten Druck beim schnellen Überstreichen des Oberleders.
Sehr empfindliche, dünne oder spiegelglatte Leder, wie Chevreau, Kroko oder Lackleder werden statt mit einer Rosshaarbürste besser mit einem weichen Tuch oder Polierhandschuh zu Glanz gebracht. Dadurch halten Sie die Abnutzung des Leders respektive des Polyurethanlacküberzugs so gering wie möglich. Alternativ können Sie eine Ziegenhaar- oder Lammfellbürste verwenden. Aber auf spiegelglattem Lackleder können selbst Ziegenhaarbürsten noch sichtbare Haarstreifen hinterlassen.
Wenn Sie beispielsweise bei Raulederschuhen nur den Sohlenschnitt blank polieren wollen, ohne mit dem Schaft dabei in Kontakt zu kommen, ist das mit einer Bürste recht umständlich. Viel einfacher geht es mit einem Polierhandschuh oder Poliertuch.
Nach dem Glanzbürsten können Sie, wenn Sie mögen, noch ein Feinpolierbürsten anschließen. Ansonsten ist die Schuhpflege an diesem Punkt beendet. Feinpolieren ist besonders Erfolg versprechend, wenn die Schuhe mit Wachs gepflegt wurden. Bei glanzgestoßenen oder anderen glatten und glänzenden Ledern kommt eine solche Politur besonders stark zur Geltung.
Es gibt verschiedene Werkzeuge, Mittel und Techniken für eine abschließende Politur. Jeder hat da seine spezielle Methode und schwört darauf. Großvaters Trick mit Raufspucken während des Glanzbürstens ist wohl die älteste. Das Feinpolieren funktioniert auch gut, wenn Sie einen alten Strumpf über die Bürste ziehen und dann wie üblich bürsten. Eine schöne Politur erreichen Sie auch mit Lammfellbürsten. Wollen Sie einen besonders starken Effekt erzeugen, überziehen Sie die Bürste mit einem Nylonstrumpf und verfeinern Sie damit das Ergebnis noch einmal! Natürlich können Sie auch mit dem zusammengeknüllten Nylonstrumpf in der Hand polieren. Die entstehende Hitze lässt die Oberfläche der Wachspaste zu einer völlig glatten Fläche verschmelzen und bringt dadurch einen spiegelnden Glanz. Der Effekt ist ziemlich beeindruckend.
Vorsicht, dass Sie mit dem Nylonstrumpf auf der Wachsschicht und nicht auf dem Leder reiben. Deshalb auch keine Nylonpolitur bei Emulsionscreme anwenden. Das könnte sonst zu einer Unzahl feinster Riefen im Oberleder führen. Neue Schuhe sollten schon mehrere Male mit Dosencreme gepflegt worden sein, so dass sich eine unsichtbare Wachsschicht zuverlässig auf der Oberfläche gebildet hat, bevor ein Nylonstrumpf sein glänzendes Werk verrichtet.
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